Musiklexikon: Was bedeutet Quintenzirkel?

Quintenzirkel (1840)

Quintenzirkel; die Entwicklung unseres Ton- und Tonartensystems durch die Aufeinanderfolge des Verhältnisses 2:3, oder der Durchgang durch alle 24 Tonarten aufwärts durch die Quinte (c g d a usw.); abwärts durch die Quarte (c f b es usw.) heißt er Quartenzirkel. Da man nun auf diese Weise - aufwärts durch die Kreuze, abwärts durch die Been - alle Tonarten gleichsam im Kreise durchläuft und (nach unsrer Temperatur) mit der zwölften Quinte oder Quarte wieder in die Tonart zurückkehrt, von welcher man ausgegangen, so ist diese Folge Zirkel genannt worden.

Ein solcher Zirkel zeigt uns nicht allein die Vorzeichnung sondern auch die auf- und absteigende Verwandtschaft der Tonarten:

Quintenzirkel (Gathy 1840)

Von C laufen die Tonarten aus, rechts die mit Kreuzen, links die mit Been, welche beide bei fis oder ges enharmonisch ineinander übergehen. [Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 374]

Quintenzirkel (1807)

Quintenzirkel. Die älteren Lehrer des Generalbasses handeln gemeiniglich von der Art, wie ein Satz vermittelst der immer fortgesetzten Modulation in die Quinte oder Quarte alle zwölf harten oder weichen Tonarten durchlaufen und wieder zurück in die erste Tonart gelangen kann, und nennen einen solchen Durchgang durch alle zwölf Tonarten, wenn er vermittelst der Versetzung des Satzes in die Quinte entsteht, den Quintenzirkel. Entsteht er aber vermittelst der Modulation in die Quarte, wobei man die Tonarten in umgekehrter Ordnung durchläuft, so bekommt er den Namen Quartenzirkel. Bei Fig. 103 findet man einen solchen Quintenzirkel, bei Fig. 104 aber einen Quartenzirkel [siehe nachfolgende Abbildungen].

Quintenzirkel, Modulation

Modulation durch den Quintenzirkel

Quartenzirkel, Modulation

Modulation durch den Quartenzirkel



[Koch Handwörterbuch Musik 1807, 288]

Quintenzirkel (1882)

Quintenzirkel nennt man den Rundgang durch die zwölf Quinten des temperierten Systems:

c (his) - g (fisis, asas) - d (cisis, eses) - a (gisis, heses) - e (fes) - h (ces) - fis (ges) - cis (des) - gis (as) - dis (es) - ais (b) - eis (f) - his (c).

Der Quintenzirkel zwingt, wenn er zu dem Ausgangspunkt zurückführen soll, irgendwo zu einer enharmonischen Verwechselung. Modulationen durch den ganzen Quintenzirkel oder einen Teil desselben sind bequem - aber künstlerisch verwerflich. [Riemann Musik-Lexikon 1882, 735]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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