Musiklexikon: Was bedeutet Diatonisch?

Diatonisch (1879)

Diatonisch (griech.), durchtönig, natürlich, stufentönig; eigentlich was durch die Töne oder von Ton zu Ton geht, bedeutet eine solche Folge von Tönen, unter welchen sich kein Intervall befindet, welches kleiner ist als die kleine Sekunde oder als der große halbe Ton. Daher [war] diatonisches Tongeschlecht bei den Griechen die erste Grundlegung ihres Musiksystems, die Anordnung ihres Tetrachords, welche einen halben Ton und zwei ganze Töne (z. B. h-c-d-e) und zwar in verschiedenen Tonarten in abwechselnder Reihenfolge nacheinander erscheinen ließ, im Gegensatz zu dem chromatischen und dem enharmonischen Geschlecht.

Seit Ambrosius († 394) und Gregor I († 604) haben wir nur das diatonische Tongeschlecht beibehalten, indem wir seinen Begriff in den Verein und die Reihenfolge aller sieben Tonstufen ohne Auslassung und ohne zweifache Benutzung einer Stufe setzen. Unser diatonisches Tongeschlecht enthält also die sieben Tonstufen: c d e f g a h, gleichviel von welcher man anfängt; jede dieser Tonstufen kann unverändert oder erhöht (zum Beispiel cis […] fis etc.) oder erniedrigt (zum Beispiel des es fes ges etc.), nicht aber in zwei solchen Gestaltungen zugleich (zum Beispiel c nicht zugleich als cis oder ces) erscheinen. Solange sich demnach die Melodie durch ganze oder große halbe Töne fortbewegt, solange behauptet sich auch der Charakter des Diatonischen, es möge dabei Versetzungszeichen vorkommen, vor welchem Tone sie wollen.

Diatonische Tonleiter bedeutet eine Reihe von Tönen, die unterhalb des Raumes einer Oktave aus 5 ganzen und 2 großen halben Tönen besteht. Jede Tonleiter der 12 Dur- und 12 Molltonarten der modernen Musik ist somit diatonisch. [Riewe Handwörterbuch 1879, 73]

Diatonisch (1882)

Diatonisch (griech.) heißt eine Tonfolge im Gegensatz zur chromatischen und enharmonischen, wenn sie sich überwiegend durch Ganztonschritte bewegt. Das antike diatonische Tetrachord (e, f, g, a) bestand aus einem Halbton [Halbtonschritt] und zwei Ganztönen [Ganztonschritten], das chromatische (e, f, fis, a) aus zwei Halbtönen und einer kleinen Terz, das enharmonische (e, eis, f, a) aus zwei Vierteltönen und einer großen Terz.

In unserem modernen Tonsystem ist der Begriff diatonisch an die Grundskala gebunden, d. h. diatonisch sind die Ganzton- oder Halbtonfortschreitungen von einem Ton zu einem anderen der Grundskala, resp. von oder zu einem durch oder etc. abgeleiteten; chromatisch sind die Übergänge von einem Ton zu einem auf der selben Stufe der Grundskala befindlichen und durch ♯, ♭ etc. unterschiedenen; enharmonisch verschieden sind endlich Töne, die von zwei benachbarten oder eine Terz entfernten Tönen der Grundskala abgeleitet sind, aber der Tonhöhe nach annähernd zusammenfallen und im 12-stufigen, gleichschwebend temperierten System identifiziert werden [identisch klingen]:

diatonisch, chromatisch, enharmonisch
[Riemann Musik-Lexikon 1882, 203]

Diatonisch (1807)

Diatonisch bezeichnet eine solche Folge von Tönen, unter welchen sich kein Intervall befindet, welches kleiner ist als eine kleine Sekunde oder als der große halbe Ton [Halbtonschritt]. So lange sich demnach die Melodie bloß durch ganze und große halbe Töne fortbewegt, so lange behauptet sie auch den Charakter des Diatonischen, es mögen dabei die Versetzungszeichen vorkommen, vor welchem Tone sie wollen. Denn die Tonfolgen cis d e fis oder des es fes ges und dergl. sind ebenso gut diatonisch wie die Tonfolge c d e f. Siehe Klanggeschlecht. [Koch Handwörterbuch Musik 1807, 109]