Musiklexikon: Was bedeutet Fermate?

Fermate (1879)

Fermate (v. Lat. firmus), Fermata (ital.), Halt, Stillstand, Ruhepunkt, das Verweilen oder Aushalten eines vorgeschriebenen Tons über die Geltung der ihn bezeichnenden Note, durch welches im Verfolg eines Tonstücks die rhythmische Bewegung auf einige Zeit unterbrochen wird. Das Zeichen für diese Unterbrechung der Taktbewegung, die vom Komponisten häufig, und zwar meist im Moment der höchsten Steigerung des Affekts, zur beliebigen Einschaltung einer Kadenz benutzt wird, ist ein über die Note oder Pause, bei der sie stattfinden soll, gesetzter Bogen oder Halbkreis, der einen Punkt in sich schließt und französisch Couronne, lateinisch und italienisch Corona, Cocona heißt. [Riewe Handwörterbuch 1879, 90f]

Fermate (1840)

Fermate, Halt, Fermata (ital.), Fermat, Point-d'orgue, Point-d'arrèt (franz.). Die mit einem Ruhezeichen (Corona, Couronne) versehene und über ihre eigentliche Geltung ausgehaltene Note oder Pause. Sie unterbricht die Taktbewegung und bringt einen Ruhepunkt in die musikalische Periode, ohne sie zu schließen. Ihre Anwendung findet sie bei Stellen, wo Verwunderung und Erstaunen ausgedrückt werden soll, oder wo die Empfindung sich durch ihre völlige Ergießung erschöpft zu haben scheint; ferner in Fugen, um den Sängern Zeit zu geben, die Kraft der Stimme wieder zu sammeln, oder um auf den Hauptschluss desto feierlicher vorzubereiten (siehe Schlussfermate). In vielen Tonstücken jedoch verdankt sie ihr Dasein dem wohlwollenden Zufall und hat eben so viel Bedeutung als das ganze Tonstück selbst.

Die Dauer einer Fermate über der Pause hängt von dem Geschmack des Ausführers der Hauptstimme oder auch von dem Anführer des Orchesters ab (jedoch nicht in dem Maße, wie in jenem Dorf oder Städtchen, wo bei vorkommender Fermate der Dirigent nebst seiner Sippschaft einen Augenblick ins Nebenhaus zu Biere zu gehen pflegte). Die Fermate über der Note wird beim Vortrage einer Solostimme häufig mit willkürlichen Verzierungen ausgefüllt.

Vor dem Hauptschluss der Solostimme kommt gewöhnlich eine Fermate vor, die besonders deswegen da ist, um den Ausführern derselben Gelegenheit zu geben, sich hören zu lassen oder auch das Zungen- und Fingerwerk auszukramen, welches der Tonsetzer im Satz selbst anzubringen etwa vergessen haben sollte. Man nennt sie alsdann Kadenz (siehe dort und Finalkadenz). [Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 125]

Fermate, Fermata (1882)

Fermate (ital. Fermata), Haltezeichen […]. Die Fermate verlängert die Dauer einer Note oder Pause in unbestimmtem Maß; nicht selten findet sie sich auch über dem Taktstrich, es wird dann eine Pause eingeschaltet. Der Dirigent zeigt dem Orchester durch Stillhalten des Taktstocks in der Höhe an, wie lange die Fermate dauern soll.

In den komplizierten kanonischen Notierungen des 15.-16. Jahrhunderts finden sich häufig die Stimmenenden durch eine Fermate (corona) angedeutet, welche dann der betreffenden Note den Wert der abschließenden Longa gibt.

Eine Fermate von besonderer Bedeutung ist die, welche in Konzertstücken etc. den letzten Abschluss hinausschiebt (unterbrochene Kadenz) und Gelegenheit zur Einlegung eines letzten und ausgedehnten Solos gibt; diese Fermate findet sich regelmäßig über dem Quartsextakkord der Tonika (siehe Kadenz). [Riemann Musik-Lexikon 1882, 256]

Fermate (1807)

Fermate. Die Fermate ist ein solcher Ruhepunkt, durch welchen in dem Verfolge eines Tonstücks die Bewegung des Taktes auf einige Zeit unterbrochen wird, so dass man den Ton auf einer Note viel länger aushält oder bei einer kleinen Pause viel länger verweilt, als es ihre Dauer erfordert. Das Zeichen, wodurch diese Unterbrechung der Taktbewegung bemerkt wird, ist ein über die Note oder Pause, bei welcher sie stattfinden soll, gesetzter Bogen oder Halbzirkel, der einen Punkt in sich fasst.

Bei dem Vortrage muss darauf gesehen werden, ob das Zeichen der Fermate über einer Note oder über einer Pause steht. Im letzten Falle wird die vorhergehende Note niemals ausgehalten, sondern ebenso behandelt, wie jede andere Note, nach welcher eine Pause folgt, das heißt, sie wird nicht bis zum letzten Moment ihrer Dauer fortklingend erhalten.

Befindet sich hingegen das Zeichen der Fermate über der Note, so muss diese Note unabgesetzt und mit stetem Tone einige Zeit lang ausgehalten werden und sodann verschwinden. Die Stärke des Tones hängt dabei von der Vorschrift des Tonsetzers, von dem vorhergehenden Forte oder Piano, oft auch von einem mit dieser Note verbundenen Crescendo oder Decrescendo ab.

Bei dem Vortrag einer Solostimme hat man die Freiheit, die auszuhaltene Note der Fermate mit willkürlichen Verzierungen auszuschmücken oder auch nach Beschaffenheit der Umstände von derselben einen Übergang zu dem folgenden Satze zu machen. Siehe Kadenz. [Koch Handwörterbuch Musik 1807, 150]