Musiklexikon: Was bedeutet Crescendo?

Crescendo (1840)

Crescendo, zunehmend, wachsend, wofür auch das Anschwellungszeichen (siehe Zeichen) gebraucht wird. Bedeutet das allmähliche Steigen des Tones in zunehmender Stärke; Crescendo il forte (abgekürzt Cres. il f.) oder cres. sin'al forte, zunehmend bis zum Forte, wird unter sehr langen Stellen in entfernten Silben geschrieben.

Die verschiedenen Grade der Schwäche und Stärke des Tones sind folgende:
Pianissimo - ganz leise,
Piano - leise,
Poco piano - etwas leise,
Rinforzato - verstärkt,
Poco forte - etwas stark,
Mezzo forte - halb stark,
Più forte - stärker,
Forte - stark,
Fortissimo - ganz stark.
Doch geht das Crescendo nicht immer alle diese Grade durch.

Mit dem Ausdruck crescendo oder il tempo crescendo wird zuweilen auch die zunehmende Geschwindigkeit des Zeitmaßes bezeichnet. Das Crescendo und Diminuendo ist zuerst von Jomelli [Niccolò Jomelli] eingeführt worden. [Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 87f]

Crescendo (1865)

Crescendo.

  1. Vortragsbezeichnung, wachsend, an Klangstärke nämlich; abgekürzt cresc., ebenso häufig durch das Zeichen < ausgedrückt. Siehe Vortragsbezeichnungen, Vortrag. - Zuweilen kommt das Wort auch als Bezeichnung zunehmender Geschwindigkeit des Tempos vor: il tempo crescendo, gleichbedeutend mit accelerando. Die Zeichen des Crescendo, Diminuendo, p und f scheinen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts aufgekommen zu sein. Burney rühmt Madrigale von Mazzocchi 1638 wegen dieser als neu darin vorkommenden Zeichen. In der Instrumentalmusik ausgebildet und mit großer Wirkung verwendet wurde das Crescendo und Dimin. erst von der Manheimer Capelle (siehe daselbst und Burneys Reisen II. 74) um Mitte des 18. Jahrhunderts.
  2. Zwei Arten Fortepianos von Bauer in Berlin 1786 erfunden. […]
  3. In der Orgel, siehe Schweller (Dach- und Jalousieschweller), Echo. Ferner eine Einrichtung an einer Orgel in der Johanniskirche zu Gouda, 1736 von Jean Moreau erbaut. Waren alle drei Manuale derselben gekoppelt und drückte man die Tasten des Hauptwerkes etwa nur um die Dicke eines Thalers nieder, so sprach das Hauptwerk allein an, drückte man sie tiefer herunter, so erklang das Oberwerk mit, und wenn am tiefsten, so erklangen alle drei Manuale, so dass man eine Art Crescendo und Diminuendo herausbringen konnte. Natürlich setzte die Spielart sehr viele Übung voraus.

[Dommer Musikalisches Lexicon 1865, 224]

Crescéndo (1882)

Crescéndo (ital., "wachsend"), an Tonstärke zunehmend. Im Orchester wird das Crescendo auf zweierlei Weise erzielt, erstens durch Hinzutreten von immer mehr Instrumenten und zweitens durch stärkeres Spiel der einzelnen Instrumente. Die Singstimme, die Blas- und Streichinstrumente haben das Crescendo völlig in der Gewalt und können den einzelnen Ton anschwellen. Dem Klavier fehlt die letztere Fähigkeit, und das Crescendo wird durch stärkeren Anschlag hervorgebracht.

Auch der Orgel fehlte früher das Crescendo ganz und konnte nur durch Anziehen von immer mehr Registern bewerkstelligt werden, was natürlich eine ruckweise Verstärkung ergibt. Diesem Übelstand hat man in neuerer Zeit auf zweierlei Weise abzuhelfen versucht:

  1. hat man eine oder ein paar zarte Stimmen in einen Kasten mit beweglichem Deckel eingeschlossen, der durch einen Pedaltritt regiert wurde (Schweller, Dachschweller, Jalousieschweller);
  2. eine sinnreiche mechanische Vorrichtung, welche durch einen Pedaltritt in Funktion gesetzt wird, bewirkt in einer bestimmten Reihenfolge den allmählichen Eintritt der Stimmen.

Ein wirkliches Crescendo, wie es das Orchester hervorbringen kann, ist aber der Orgel noch heute [um 1880] unmöglich und ist vielleicht auch für dieselbe nicht wünschenswert, da es dem Orgelton seine majestätische Leidenschaftslosigkeit nehmen und eine sentimentale oder pathetische Spielweise inaugurieren würde. [Riemann Musik-Lexikon 1882, 183f]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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