Musiklexikon: Was bedeutet Echo?

Echo (1840)

Echo (Ecco ital., Echo franz.), Wiederhall; im Allgemeinen die Wiederholung eines Schalls durch das Zurückprallen desselben von einer entfernten festen Fläche. Im engeren Sinn die leise Wiederholung der Einschnitte oder Endsätze und Tonschlüsse eines Tonstücks, von derselben oder auch von anderen Stimmen hervorgebracht, zur Bewirkung der Täuschung, als kämen die Töne aus der Ferne.

Auch ein veraltetes Orgelregister, wobei die Pfeifen oben in der Orgel in einen verdeckten Kasten stehen; siehe Orgel. [Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 108]

Echo, Widerhall (1882)

Echo, Widerhall. Da Schallwellen sich geradlinig fortpflanzen und von Flächen unter demselben Winkel reflektiert werden, unter welchem sie auffallen, so wird unter Bedingungen, die mathematisch leicht festzustellen sind, ein großer Teil der von einem tönenden Körper (z. B. einer singenden oder redenden Menschenstimme) ausgehenden Schallstrahlen wieder nach diesem zurückgeführt, so dass man in der Nähe desselben den Widerhall des ursprünglichen Schalles vernimmt. Natürlich ist das Echo immer minder stark als der Anruf.

In der technischen Terminologie der musikalischen Komposition versteht man unter Echo die Wiederholung einer kurzen Phrase in verminderter Tonstärke. Häufig erscheint das Echo in der höheren oder tieferen Oktave. Beethoven treibt an mehreren Orten ein originelles Spiel mit echoartigen Wiederholungen (Sonaten Op. 81 und Op. 90).

Im Orchester ist der Effekt des Echos durch verschiedenartige Instrumentierung leicht zu erreichen, in großen Orgeln existiert ein besonderes Manual (Echowerk). [Riemann Musik-Lexikon 1882, 237]

Echo, Ecco, Wiederschall (1807)

Echo, ital. Ecco, Wiederschall. Die Erfahrung lehrt, dass derjenige Luftstrom, dessen Wirkung auf unser Ohr wir Schall nennen, wenn er, indem er den Raum durchläuft, an gewisse feste Körper stößt, von diesen Körpern wieder zurückgeworfen wird. Ist nun ein solcher Körper, der die Eigenschaft besitzt, den schallenden Luftstrom wieder zurückzuwerfen, so nahe an dem Orte, wo der Schall entsteht, dass der ursprüngliche Schall selbst noch fortdauert, während der von einem festen Körper wieder zurückgeworfene Schall unser Ohr trifft, so nimmt das Ohr diesen zurückgeworfenen Schall von dem ursprünglichen nicht abgesondert wahr, sondern es empfindet ihn bloß als eine Verstärkung desselben. Daher kommt es, dass ein und eben dasselbe Instrument in einem Zimmer mit glatten Wänden viel stärker klingt, als in einem andern, in welchem die Wände mit vielen Gemälden behängt oder mit Tapeten bekleidet sind.

Ist hingegen der Körper, der den schallenden Luftstrom zurückwirft, so weit von dem Orte, wo der Schall erregt wird, entfernt, dass der ursprüngliche Schall schon aufgehört hat, ehe der schallende Luftstrom den Raum bis zu diesem Körper und wieder zurück bis zu unserem Ohre durchlaufen kann, so hört man den reflektierten Schall von dem ursprünglichen abgesondert - und bezeichnet jenen sodann mit dem sehr passenden Worte Wiederschall.

Einen solchen Ort, wo zwischen dem Schall und Wiederschall so viel Zeit vorhanden ist, dass man Worte aussprechen oder einige Töne nacheinander intonieren kann, ehe der zurückkehrende Luftstrom unser Ohr trifft, pflegt man ein Echo zu nennen.

Ehedem hat man diese Naturerscheinung in der Musik nachgeahmt: Ein Tonstück, in welchem dieses geschah, wurde ebenfalls Echo oder Ecco genannt. [Koch Handwörterbuch Musik 1807, 126]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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