Musiklexikon: Was bedeutet Allemande?

Allemande (1882)

Allemande (franz., sprich allmángd, "deutscher Tanz"), einer der Hauptteile der älteren französischen Suite - von mäßiger, behaglicher Bewegung im 4/4-Takt, wurde von den deutschen Komponisten zu Anfang des vorigen Jahrhunderts [18. Jh.] unter gleichem Namen akzeptiert und aus naivem Patriotismus besonders kultiviert. Die Allemande im 2/4-Takt als wirklicher Tanz ist jüngeren Ursprungs. Auch ein noch heute [um 1880] in Schwaben und in der Schweiz üblicher lebhafterer Tanz im 3/4-Takt wird Allemande genannt. [Riemann Musik-Lexikon 1882, 21]

Allemande (1840)

Allemande, Drehtanz.

  1. Deutscher Nationaltanz im Zweivierteltakt.
  2. Tanzmelodie im Dreivierteltakt, in Schwaben und in der Schweiz, dem französischen Tamburin ähnlich.
  3. Eine Gattung kleiner Tonstücke von etwas ernsthafterer Bewegung und mannigfaltigerer Harmonie, in den bis vor siebzig, achtzig Jahren so beliebten Suiten für das Klavier gebräuchlich. Es war dies eine der Formen, in welchen C. Phil. Em. Bach in seinen beliebten Klavierkompositionen die freie oder sogenannte galante Schreibart entwickelte und verbreitete.

[Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 12]

Allemande (1802)

Allemande. Man bezeichnet mit diesem Worte zwei verschiedene Gattungen von Tonstücken von deutscher Erfindung, und zwar

  1. die Melodie zu einem bekannten deutschen Nationaltanze, die in den Zweivierteltakt eingekleidet ist und die den Charakter der Fröhlichkeit behaupten muss;
  2. wird mit diesem Wort auch ein Tonstück im Viervierteltakte bezeichnet, welches nicht zum Tanze bestimmt ist und welches in den sonst gebräuchlich gewesenen und beliebten Suiten und Parthien [sic] für das Clavier, oder für mehrere Instrumente zugleich, als ein Produkt von deutscher Erfindung den ersten Rang behauptete oder jederzeit vor andern ähnlichen Piecen zuerst gesetzt wurde.

Diese Gattung der Allemande hat eine etwas ernsthafte Bewegung und volle gut abwechselnde Harmonie. Nach Mathesons Meinung behauptete sie den Charakter eines vergnügten Gemüts, das sich an guter Ordnung und Ruhe ergötzt. Seit 30 bis 40 Jahren ist diese Gattung der Tonstücke nicht mehr gebräuchlich.

Oft gibt man auch den Namen Allemande dem schwäbischen Tanze, der in Schwaben und in der Schweiz bei den Landleuten sehr gewöhnlich und jederzeit in einem flüchtigen Drippeltakt eingekleidet ist. [Koch Musikalisches Lexikon 1802, 132]