Musiklexikon: Was bedeutet Allegro?

Allegro (1840)

Allegro, hurtig, lebhaft, ist der elfte Grad oder vierte Hauptgrad der Bewegung und enthält, zwischen Andante und Presto stehend, eine Menge Abstufungen, die durch hinzugefügte Beiwörter näher bestimmt werden. Jede derselben verlangt ein andres Zeitmaß, je nachdem der Charakter eines Tonstückes von dem eines anderen verschieden ist. Das Allegro eignet sich für den Ausdruck der Heiterkeit und Freudigkeit sowohl als für den der heftigen Empfindungen, des Zorns, der Verzweiflung etc. Kraft und Bestimmtheit, ein voller männlicher Ton, zierliche und deutliche Ausführung der Notenfiguren sind die vorzüglichsten Erfordernisse des Allegro; siehe Tempo.

Allegro assai und Allegro di molto bedeuten beide sehr hurtig.
Allegro ma non tanto und Allegro ma non troppo - nicht zu hurtig.
Allegro moderato - mäßig geschwind, zwischen All° und Allegretto die Mitte haltend. [Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 12]

Allegro (1870)

Allegro (ital.), als Vortragsbezeichnung in der Bedeutung schnell, geschwind, hurtig, munter, nimmt den vierten Hauptgrad unter den fünf Graden musikalischer Bewegung ein und steht als solcher in der Mitte zwischen Andante und Presto. Die Abstufungen dieser Bewegung werden durch eine große Anzahl näher bezeichnender Beiwörter vermittelt, deren gebräuchlichste folgende sind:

  • Allegro molto und Allegro assai, sehr schnell.
  • Allegro con brio (brioso) und Allegro con fuoco, feurig schnell.
  • Allegro furioso, leidenschaftlich schnell, wild.
  • Allegro giusto, angemessen schnell (nach Ermessen des Ausführenden).
  • Allegro ma non tanto, Allegro ma non troppo, nicht zu schnell.
  • Allegro maestoso, würdig, erhaben daher gemäßigt schnell.
  • Allegro moderato und Allegro commodo, mäßig schnell.
  • Allegro risoluto und Allegro energico, feurig und entschlossen.
  • Allegro scherzando, in scherzend schneller Bewegung (dem Allegro moderato nahe stehend).
  • Allegro vivace, lebhaft schnell.

Aus dieser Aufzählung geht bereits hervor, dass sich diese Bezeichnung mit dem Ausdruck sehr verschiedener Empfindungen verträgt und dass sie ebensowohl zum Ausdruck der Heiterkeit und Freude, bis hinauf zur Ausgelassenheit, als auch andererseits der Leidenschaften, die den Menschen im Kampfe bewegen, des heftigsten Hasses und der feurigsten Liebe usw. geeignet ist. Alle diese Momente hat der Vortrag ins Auge zu fassen, da er sich stets mit dem Charakter und besonderen Inhalte des betreffenden Satzes in Einklang zu setzen hat. Näheres hierüber siehe Vortrag und Vortragsbezeichnung.

Außerdem versteht man unter Allegro, als Hauptwort gebraucht, ein selbstständiges Tonstück in schnellem Tempo - und so spricht man von einem Allegro in C, F, G usw. Auch einzelne Sätze größerer Werke (in Sinfonien, Sonaten, Quartetten usw. gemeiniglich der erste, mitunter auch der letzte Satz) werden, wenn sie in Bewegung und Charakter dieser Bezeichnung entsprechen, schlechthin das Allegro der Sinfonie, Sonate usw. genannt, ohne Rücksicht darauf, dass der so benannte Satz eigentlich ein Allegretto oder gar ein Presto sein kann. [Mendel Musikalisches Lexikon 1870, 166]

Allegro (1732)

Allegro (ital.) alaigre (gall.) vom Lateinischen: alacer, hurtig; so im Schreiben und Drucken auch als All° gebraucht wird; bedeutet: fröhlich. lustig, wohl belebt oder erweckt; sehr oft auch: geschwinde und flüchtig; manchmal aber auch einen gemäßigten, obschon fröhlichen und belebten Takt, wie die Worte: allegro mà non presto, so zum öftern pflegen beigefügt zu werden, ausweisen. [Walther Musicalisches Lexicon 1732, 27]

Allegro (1802)

Allegro, hurtig: ist eine bekannte Überschrift solcher Tonstücke, die in einem mäßig geschwinden Zeitmaße vorgetragen werden sollen. Weil die Geschwindigkeit dieser Bewegung merklich verschieden sein kann, ehe sie den höchsten Grad erreicht, den man gewöhnlich mit dem Ausdrucke prestissimo bezeichnet, so pflegt man oft den eigentlichen Grad der Geschwindigkeit des Zeitmaßes durch hinzugefügte Beiwörter näher zu bestimmen, z. B. allegro non tanto (nicht allzu geschwind), allegro di molto (sehr geschwind) usw. Ohngeachtet dieser näheren Bestimmung muss der Ausführer dennoch den genau bestimmten Grad dieser Geschwindigkeit der Bewegung teils aus der Taktart, in welche ein solcher Satz eingekleidet ist, teils und hauptsächlich aber auch aus dem Inhalte desselben zu bestimmen suchen (siehe Adagio).

Der Vortrag des Allegro erfordert einen männlichen Ton und eine runde und deutliche Abfertigung der Noten, die in dieser Bewegung nur da zusammengeschleifet werden, wo es entweder ausdrücklich angezeigt ist, oder wenn es eine vorkommende cantable Stelle notwendig macht. Die übrigen Noten werden gemeiniglich mit einem gewissen Nachdrucke abgestoßen, der dem Vortrage mäßig geschwinder Sätze eigen ist, ohne dass dabei die sogenannten akzentuierten Noten etwas von ihrem inneren Gehalte verlieren dürfen. Jedoch muss alles, was man im Allgemeinen über den Vortrag des Allegro hie und da bemerkt findet, dem besonderen Inhalte des Satzes angepasst werden, denn das Allegro verträgt sich mit dem Ausdrucke sehr verschiedener Empfindungen. Daher wird auch oft die Vortragsart desselben durch beigefügte Wörter näher bestimmt. So zeigt es sich gewissermaßen von selbst, dass z. B. ein Allegro maestoso (erhaben oder mit Würde) und ein Allegro scherzando (scherzend) eine gar merklich verschiedene Vortragsart verlangt. In beiden Fällen bleibt zwar die Rundheit des Vortrags der Noten, die dem schleppenden und gezogenen Vortrage des Adagio entgegen stehet, eine notwendige Eigenschaft des Vortrages des Allegro; wer fühlt aber nicht, dass in dem ersten Falle, nämlich in dem Allegro maestoso, die Noten mit weit markichterm Tone und mit mehr Nachdruck und Akzentuierung vorgetragen werden müssen, als in dem anderen Falle, in welchem sie ein mehr lockeres Aneinander-Reihen und eine weniger markichte, aber kürzer abgestoßene Vortragsart verlangen.

Der Ausdruck Allegro wird auch als Hauptwort gebraucht und damit ein Tonstück bezeichnet, das in dieser Bewegung ausgeführt wird. [Koch Musikalisches Lexikon 1802, 130f]

Allegro (1882)

Allegro (ital., abgekürzt All°), eine der ältesten Tempobezeichnungen, bedeutet im Italienischen "heiter", "lustig", hat aber im Lauf der Zeit die Bedeutung von "schnell" erhalten, so dass es heute in Zusammensetzungen allgemein gebraucht wird, die gegenüber der italienischen Wortbedeutung pleonastisch oder auch geradezu sinnlos erscheinen, z. B. Allegro giojoso ("lustig-heiter"), Allegro irato ("lustig-zornig"). Der alte Wortsinn existiert wenigstens für uns Deutsche also nicht mehr. Wie man von einem Adagio als einem langsamen Satz ganz allgemein spricht, so hat auch das Wort Allegro die allgemeine Bedeutung eines schnell bewegten Satzes erhalten, und man nennt daher z. B. einen ersten Symphoniesatz ein Allegro, auch wenn derselbe vielleicht mit vivace oder con fuoco überschrieben ist. Der Superlativ allegrissimo ist selten, steht aber in der Bedeutung etwa mit presto gleich. [Riemann Musik-Lexikon 1882, 21]