Harmonie (1807)

Harmonie. Die gleichzeitige Vereinigung verschiedener Töne in mannigfaltiger Abwechslung, die in einem allgemeinen Wohlklang zusammenfließt, nennen wir Harmonie. Die Harmonie geht aus dem gleichzeitigen Vortrag mehrerer zu einem Tonstücke vereinigten, aber in Ansehung ihrer Tonfolgen ganz verschiedenen Melodien oder Stimmen hervor.

Der Grund zu einer harmonischen Musik liegt gewissermaßen schon in der Natur des Klanges selbst, wovon man sich durch die sogenannte Sympathie der Töne überzeugen kann, die sich in dem Spiele der Aeolsharfe am deutlichsten ausspricht. Es ist ungewiss, ob die Alten, besonders die Griechen, eine der unsrigen ähnliche Harmonie gekannt und ausgeübt haben. Wir wissen nur so viel mit Gewissheit, dass der Grund zu der Harmonie, wie wir sie heutzutage ausüben, erst gegen das 10te Jahrhundert gelegt worden ist.

Es hat dem menschlichen Geiste geglückt, das mannigfaltige Gewebe der Töne in der Harmonie nicht allein in einzelne Teile, die man Akkorde nennt, aufzulösen, sondern auch diese Akkorde in eine solche systematische Ordnung zu bringen, nach welcher sich ihr Zusammenhang untereinander auf eine vernünftige und den Verstand befriedigende Art erklären lässt, so dass der harmonische Teil der Setzkunst nach bestimmten und zusammenhängenden Regeln gelehrt und erlernt werden kann.

Von den zur Harmonie gehörigen Teilen ist schon in dem Artikel Grammatik, und von den Vorteilen, die sie gewährt, in dem Artikel Begleitung gehandelt worden. Die Schriften, die sich insbesondere über das Studium der Harmonie verbreiten, findet man in dem Artikel Contrapunkt.

Man braucht das Wort Harmonie auch oft in einem engeren Sinne, in welchem es entweder nur einem einzelnen Akkord oder eine besondere Beschaffenheit oder Gestalt desselben anzeigt, denn man sagt z. B. die Sextquartenharmonie, eine dissonierende Harmonie, oder der Akkord ist in zerstreuter Harmonie gebraucht usw. [Koch Handwörterbuch Musik 1807, 180f]