Musiklexikon: Was bedeutet Arpeggio?

Arpeggio, Zergliederung (1802)

Arpeggio, Zergliederung. Dieses Wort pflegt man in den Stimmen für Klavier- oder Geigeninstrumente bei diejenigen Akkorde zu setzen, deren Töne nicht gleichzeitig angeschlagen, sondern gebrochen oder zergliedert vorgetragen werden sollen. Es ist eigentlich nur alsdenn gebräuchlich, wenn man Notenfiguren, die aus einer Folge von gleichartig zergliederten Akkorden bestehen, der Kürze und besseren Übersicht wegen nicht ausschreibt. Man ist jedoch in solchen Fällen gewohnt, bei den ersten Akkorden durch Ausschreibung der Figur die Art der Zergliederung anzuzeigen und die Schreibart erst in der Folge der Akkorde abzukürzen und durch das Wort arpeggio zu bezeichnen, dass die Akkorde auf gleiche Art zergliedert werden sollen. So schreibt man z. B. diesen Satz

Arpeggio ausgeschrieben (Koch 1802)

auf folgende abgekürzte Art:

Arpeggio abgekürzt (Koch 1802)
[Koch Musikalisches Lexikon 1802, 165f]

Arpeggiare (1732)

Arpeggiare (ital.) auf Harfen-Art, d. h. gebrochen spielen, oder den vorkommenden Griff nicht zugleich, sondern in selbigem enthaltene Noten einzeln und nacheinander anschlagen. Daher kommt Arpeggio, arpeggiato, arpeggiando, Arpeggiata und das französische Wort: Arpegement. [Walther Musicalisches Lexicon 1732, 51]

Arpeggio (1882)

Arpeggio (ital., spr. -eddscho) oder arpeggiato, eigentlich "nach Harfenart", eine Bezeichnung, die andeutet, dass die Töne eines Akkords nicht gleichzeitig, sondern, wie auf der Harfe, nacheinander gebracht werden sollen (harpeggiert, gebrochen). Das Arpeggio wird entweder durch die wörtliche Vorschrift (auch abgekürzt als arp.) oder durch folgende Zeichen gefordert:

Arpeggio - Riemann Beispiel 1

Im allgemeinen Gebrauch ist heute nur noch das erste Zeichen, doch findet sich das vierte z. B. in der neuesten Ausgabe von Mozarts Klaviersonaten in der Edition Peters; die beiden letzten deuten die Auflösung in Achtel an. Früher unterschied man besondere Zeichen für das Arpeggio von unten (Beispiel I) und das von oben (Beispiel II), heute muss das Arpeggio von oben durch kleine Noten angedeutet werden (III).

Arpeggio - Riemann Beispiel 2

Steht vor einem Ton eines arpeggierten Akkords ein langsamer Vorschlag, so gehört die Vorschlagsnote in das Arpeggio, und die Fortschreitung kommt hinterdrein; kurze Vorschläge sind auszuführen wie bei b:

Arpeggieren mit Vorschlagsnote - Riemann

Die gewöhnliche Ausführung des Arpeggio ist einmalige schnelle Folge der Töne der Reihe nach, einsetzend mit dem Akzent; früher war es jedoch üblich, sich des Zeichens des Arpeggio als Abkürzung für allerlei Akkordpassagen zu bedienen, die natürlich vorher einmal ausgeschrieben sein mussten, z. B.:

Arpeggio - Riemann Beispiel 3

In den älteren Violinkompositionen (Bach) findet sich öfters eine Reihe Akkorde in langen Notenwerten mit dem Arpeggiozeichen, die in folgender oder ähnlicher Weise aufgelöst zu werden pflegen:

Arpeggio - Riemann Beispiel 4
[Riemann Musik-Lexikon 1882, 43]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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