Musiklexikon: Was bedeutet Portamento?

Portament, Portamento (1882)

Portament (ital.: Portamento, von portar la voce, "die Stimme tragen"; franz.: Port de voix), das Hinüberschleifen von einem Ton zum anderen, vom Legato dadurch verschieden, dass die Erhöhung oder Vertiefung des Tons langsamer bewirkt wird und als eine stetige, nicht sprungweise erscheint.

Das Portament ist, häufig angewandt, eine abscheuliche Manier, bei seltenem Gebrauch aber von ergreifender Wirkung. Es ist nur der Singstimme und den Streichinstrumenten eigen. Das Port de voix des Klaviers ist eine den Effekt des Portaments höchst unbefriedigend nachahmende Manier (siehe Akzente und Chute). Die Anweisung mancher Singschulen, dass die Stimme beim Portament die Skala oder den Akkord zu durchlaufen hat bis zu dem verlangten zweiten Ton, ist ein großer Irrtum – es könnte kaum etwas Verkehrteres geben. Der verlangte Effekt muss vielmehr durchaus derselbe sein, wie wenn man auf einer Violinsaite mit dem Finger schnell hinauf- oder herunterfährt, die wirklich stetige und nicht die stufenweise Tonhöhenveränderung.

Das Portamento wird gewöhnlich nicht vorgeschrieben, man bedient sich aber wohl dafür der folgenden Schreibweise:

Portamento (Riemann 1882)

Notation und richtige Ausführung des Portamento sowie falsche Ausführungsarten


[Riemann Musik-Lexikon 1882, 716]

Portamento, Portar la voce (1865)

Portamento, Portar la voce, vorzugsweise dem Gesang angehörender, von da aber auch auf Instrumente herübergenommener Terminus, das Tragen der Stimme von einem Ton zum anderen, ein Aneinanderhängen oder Schleifen der Töne, gleichviel ob in stufen- oder sprungweiser Fortschreitung, das Legato.

Die Glottis bleibt bei dieser Vortragsart während des Überganges von einem Tone zum anderen geöffnet, der Luftstrom wird nicht unterbrochen. Beim Staccato hingegen findet zwischen den einzelnen Tönen momentane Schließung der Glottis, daher Intermittierung des Luftstroms statt. "Die Stimme tragen heißt, mit beständigem, an Stärke zu- und abnehmendem Aushalten, ohne Aufhören und Absetzen, eine Note an die andere schleifen", sagt Agricola (Anl. zur Singekunst nach Tosi, S. 220). Ein Crescendo oder Diminuendo braucht aber mit dem Portamento nicht immer notwendig verbunden zu sein, es kann ebenso gut auch mit vollkommen gleichmäßiger Klangstärke ausgeführt werden. [Dommer Musikalisches Lexicon 1865, 693]

Portamento (1840)

Portamento [di voce], das Tragen der Stimme in den verschiedenen möglichen Schattierungen, die innige Verschmelzung der Töne, indem der Sänger durch leises, sicheres Angeben, allmähliches An- und Abschwellen der Töne dieselben sanft aneinanderschleift - und zwar so, dass dem Ohr die bestimmten Grenzen eines Tons merklich bleiben. [Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 365]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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