Musiklexikon: Was bedeutet A cappella?

A capella, alla capella (1879)

A capella (alla capella), ital., nach Art des Kirchen- oder Kapellstils für Gesangstimmen allein, ohne Begleitung der Instrumente, so wie die Sänger in der päpstlichen Kapelle singen. Deshalb auch so viel wie alla breve.

A capella, im Einklang der Instrumente mit den Singstimmen, so viel wie all' unisono.

A capella, das Fortführen einer Singstimme von mehreren Instrumenten zugleich. [Riewe Handwörterbuch 1879, 2]

A capella, Alla capella (1840)

A capella, Alla capella, auf Kapellart, im Kapellstile; so dass die aus den Choralgesängen entlehnten Notenfiguren nicht choralmäßig, sondern lebhafter, so wie es in den Kapellen gewöhnlich ist, ausgeführt werden. Dieser Ausdruck bedeutet in älteren Kirchenstücken ferner den Fortgang

  1. der Instrumente mit den Singstimmen im Einklange oder der Oktave;
  2. der Stimmen ohne Instrumentalmusik.

[Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 1]

A capella, a la capella (1870)

A capella oder a la capella (ital.), nach Art des Kirchenstils, bezeichnet entweder, dass ein Tonstück, gleichviel ob geistlichen oder weltlichen Charakters, nur durch Singstimmen, ohne instrumentale Begleitung auszuführen ist; oder dass die begleitenden Instrumente mit den Singstimmen im Einklang (unisono) beziehungsweise in der Oktave fortschreiten; oder endlich, dass die Noten nicht ihrem längeren Werte gemäß choralartig, sondern schneller auszuführen sind, in welcher Beziehung es gleich dem alla breve ist. [Mendel Musikalisches Lexikon 1870, 13]

A capella (1802)

A capella. Mit diesem Ausdrucke wird hauptsächlich in der Kirchenmusik angezeigt, dass die Instrumente mit den Singstimmen in dem Einklange fortgehen sollen. Ursprünglich bedeutet es eine solche Art der Ausführung der Tonstücke, bei welcher die Stimmen vielfach besetzt werden. [Koch Musikalisches Lexikon 1802, 48]

A cappella, alla cappella (1865)

A cappella, alla cappella (im stile alla cappella), auf Capellen- oder Kirchenart, heißt in der alten italienischen Kirchenmusik der strenge oder gebundene Satz für Vokalstimmen allein, ohne alle Begleitung von Instrumenten, welcher überhaupt bis auf die Zeit des Claudio Monteverde (Winterfeld, Gabrieli II. 28ff) in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und bis zum allmählichen Aufkeimen des dramatischen Stiles die allgemein herrschende Schreibart war, und dessen auch noch nach dieser Zeit und nachdem man die Dissonanzen freier zu behandeln sowie den stile concertato (und mit ihm auch den Gebrauch der Bogeninstrumente um 1650) in die Kirche einzuführen angefangen hatte, die wahren Meister des Kirchenstiles in der Kirchenmusik ausschließlich sich bedienten. Von allen freieren Stilarten - als dem genannten kirchlichen konzertierenden, dem Madrigal-, dramatischen, Instrumental- etc. Stile - unterschied er sich durch eine durchaus strenge Behandlung der Dissonanzen und sonstige genaue Beobachtung aller Gesetze des strengen Kontrapunktes, ohne auch in späterer Zeit von den Neuerungen, welche mit Ende des 16. Jahrhunderts aufkamen und schnelle Verbreitung fanden, Gebrauch zu machen […]. Man findet ihn hie und da auch Palestrinastil genannt, weil die Werke dieses Meisters als für alle Zeiten geltende Vorbilder des wahren kirchlichen Vokalsatzes angesehen wurden.

Gegenwärtig bedient man sich des Ausdruckes a oder alla cappella, ohne seine Beziehung auf die gebundene Schreibart und den strengen Kirchenstil immer zu gedenken, schlechthin zur Benennung eines jeden beliebigen, nur von Sängern (ohne Instrumente) ausgeführten Satzes, gleichviel ob kirchlich oder weltlich, streng oder frei gearbeitet.

Wurden in älterer Zeit a cappella gesetzte Tonstücke von der Orgel oder auch von anderen Instrumenten begleitet, so geschah es nur in einfachen Unisono-Verdopplungen. Entweder verdoppelte man alle Stimmen oder verstärkte nur den Cantus firmus durch Zinken [ein Blasinstrument], Pauken und andere Blasinstrumente, ersetzte auch wohl eine fehlende Gesangstimme durch ein Instrument, trug auch ganze ursprünglich für Gesang geschriebene Chöre auf Instrumenten vor. Doch blieb die zu einem a cappella Chore hinzugefügte Instrumentalmusik stets nur Ausfüllung oder Verstärkung, war niemals obligat. In begleitenden Kirchenmusiken, in denen der Ausdruck a cappella auch vorkommt, bedeutet er daher, dass die Instrumente mit den Singstimmen im Einklange gehen, nur Verdopplungen des Gesangchores bilden sollen. Wirkten mehrere geschlossene Chöre, und zwar Vokal- und Instrumentalchöre, zusammen, so nannte man den Vokalchor, als den eigentlichen Hauptchor, Cappella (so z. B. in den Cantiones sacras von Joh. Gabrieli, 1597). Chorus pro Capella [sic] hießen ursprünglich bei den Italienern große und vielfach besetzte Chöre, und zwar besonders Ripienchöre mit oder ohne Instrumente, die an geeigneten Stellen als Verstärkung und Erhöhung des Effekts zu den übrigen Chorstimmen oder Chören hinzutraten. Solch ein großer Ripienchor führte diesen Namen pro capella, "weil der ganze Chorus vocalis oder die ganze Capelle denselben im Chor und von den andern Choren ganz abgesondert musiciret, und gleichsam als auf einer Orgel das volle Werk, mit einstimmt. Welches dann ein trefflich Ornamentum, Pracht und Prangen von sich giebt: dieweil dieser Chorus fast meistentheils zugleich mit einfällt, wenn die anderen Chore alle zusammenkommen." (Praetorius, Syntagma III. 113). [Dommer Musikalisches Lexicon 1865, 9]