Musiklexikon: Was bedeutet Kastagnetten?

Castagnetten (1865)

Kastagnetten, Haltung

Haltung der Kastagnetten. Abb. aus [AMZ 1799].

Castagnetten, span. Castañuelas; Klapperinstrumente, die wahrscheinlich den Griechen schon bekannt waren und jetzt vorzüglich noch im Orient gebräuchlich und vermutlich von daher in die südlichen Gegenden Europas gebracht sind. Sie bestehen aus zwei ganz kleinen, von sehr hartem amerikanischem Holze hohlgearbeiteten Becken, die so genau aufeinander passen wie die Hälften einer Nussschale. Diese beiden kleinen Becken werden mit einem Bande an dem Daumen befestigt und mit den übrigen daran abgleitenden Fingern schnell aneinander geschlagen, so dass eine Art Triller oder Tremolo entsteht, durch den der Rhythmus des Gesanges oder Tanzes, wozu sie gebraucht werden, akzentuiert wird und einen munteren Charakter erhält.

Innerhalb Europa sind die Castagnetten vorzüglich in Spanien gebräuchlich, woselbst man ihrer zu den mit Gesang verbundenen Tänzen sich bedient. Auch die Franzosen begleiten seit dem spanischen Feldzuge sehr häufig ihre Tänze damit. Im Orient sind sie ein ganz gewöhnliches Fraueninstrument; man nimmt daselbst oft zwei Paare in eine Hand und schlägt sie mit vieler Lebhaftigkeit zusammen.

In der Leipziger allgem. Mus. Zeitg., Jahrg. I Taf. II ist eine Castagnetten spielende Hand abgebildet [siehe Abb. oben]; ebenda Beilage IX stehen auch zwei mit einer ausgeschriebenen Castagnettenstimme versehene Boleros, woraus man die Anwendung dieser Instrumente näher kennenlernen kann [siehe Abb. bei Bolero]. [Dommer Musikalisches Lexicon 1865, 145]

Castagnetten, Daumklappern (1840)

Castagnetten [sic] (span. Castanuelas, franz. Castagnettes), Daumklappern, sind Klapperinstrumente, die aus zwei kleinen ausgehöhlten Becken von hartem amerikanischen Holze bestehen und wie die beiden Teile einer welschen Nussschale genau aufeinander passen. Ihr Durchmesser beträgt ungefähr 2-3 Zoll. Am oberen Rande der Becken ist ein kleines, zweimal durchlöchertes Öschen befindlich, durch welches eine seidene Schnur läuft, mit welcher beide Teile zusammengeheftet und über die Daumen gezogen werden. Beim Tanz und Gesang wird damit der Rhythmus eingeteilt, indem die übrigen Finger der Hand entweder taktmäßig darüber hinweggleiten, oder auch beide Teile durch Schütteln zusammengeschlagen werden.

In Europa bedient man sich der Castagnetten vorzüglich in Spanien bei den mit Gesang verbundenen Tänzen des Fandango und Bolero. Auch in Frankreich und Deutschland wird beim Tanz in Balletten Gebrauch davon gemacht, und im Orient sind sie ein ganz gewöhnliches Frauenzimmer-Instrument. Auch den Griechen sind sie schon bekannt gewesen, denn man findet sie unter den Abbildungen ihrer Instrumente. [Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 61]

Kastagnetten, Castañuelas (1929)

Kastagnetten (span. Castañuelas), ein einfaches, in Spanien und Unteritalien verbreitetes Klapperinstrument, bestehend aus zwei Holzstücken etwa von der Gestalt einer mitten durchgeschnittenen Kastanienschale, die mittels eines Bandes am Daumen befestigt und mit den anderen Fingern gegeneinander geschnellt werden. Im modernen Orchester klappern die beiden Schalen gegen einen gestielten Mittelteil.

Die Bezeichnung leitet sich nicht etwa von der Form der Kastanie her, sondern von dem Geräusch, das die gerösteten Kastanien in der emporgeschnellten Pfanne verursachen. In Andalusien gebraucht man für das Instrument übrigens nicht nur die vulgäre Bezeichnung Castañuelas, sondern auch Palillos ("Hölzchen").

Ein dem der Kastagnetten ähnlicher Effekt kann auch durch Abschnellen der Finger von der Daumenspitze auf den Daumenballen erzielt werden, welche Manipulation wohl auch mit dem Namen Kastagnetten belegt wird. Die Kastagnetten gehören als unentbehrliches Charakteristikum spanischer oder neapolitanischer Tänze in unser heutiges Ballet. Das Schlagen der Kastagnetten wird von spanischen Tänzern mit einer abwechslungsreichen und reizvollen Kunstfertigkeit ausgeführt, die mit dem Geklapper in unsern Orchestern nicht sehr viel Ähnlichkeit hat. Man höre z. B. La Argentina, die spanische Tänzerin, deren ausdrucksvolles Kastagnetten-Spiel auch auf Odeon-Platten festgehalten ist. Näheres siehe Gevaerts Neue Instrumentenlehre. Vgl. Bolero, Fandango usw. [Einstein/Riemann Musiklexikon 1929, 865]

Kastagnetten (1911)

Kastagnetten um 1900Die Kastagnetten, span. castañuelas, sind muschelförmige, aufeinander gebundene Schalen aus hartem Holze, die bei schnellen Handbewegungen ein eigenartig klapperndes Geräusch hervorrufen. Die Notierung entspricht der des Triangels. In Spanien werden sie zur Begleitung der Nationaltänze benutzt.

Ihre Verwendung im Orchester ist verschiedenartig. So benutzt Rich. Wagner das Instrument in der Oper "Tannhäuser", 1. Akt, 1. Szene in folgender Weise:

Kastagnetten - Notation Wagner

Wagner, Notation für Kastagnetten


[Teuchert/Haupt Musik-Instrumente 1911, 210]

Castagnetten (1855)

Kastagnetten, Schalen

Kastagnetten, Fig. 67

Castagnetten. Bei den ältesten Völkern waren diese Klapperinstrumente schon gebräuchlich. Forkel in seiner Geschichte der Musik gibt zwei Abbildungen, die im Ganzen nicht wesentlich verschieden sind. Die größeren, Fig. 67, sind aus Calmet; die kleineren, Fig. 68, sind aus Niebuhrs Beschreibung von Arabien entnommen. Sie bestehen aus zwei tellerförmig ausgehöhlten runden Schalen oder Becken von hartem Holz, deren Durchmesser drei bis fünf Zoll beträgt. Hinten ist entweder ein Stiel angedreht oder eine Schlinge durch die Mitte gezogen, woran sie an den Finger gehängt und durch Schütteln, Streichen und Schlagen intoniert werden.

Kastagnetten, Haltung

Kastagnetten, Fig. 68

In Deutschland findet man die Castagnetten nur äußerst selten, aber in Spanien und Frankreich kommen sie noch häufig bei Tänzen vor. […] [Welcker von Gontershausen Magazin 1855, 183]

Castagnetten, Castanuelas (1802)

Castagnetten (span. Castanuelas) sind Klapperinstrumente, die wahrscheinlich schon den Griechen bekannt waren und anjetzt noch vorzüglich im Orient gebräuchlich und vermutlich von daher in die südlichen Gegenden von Europa gebracht worden sind. Sie bestehen aus zwei kleinen, von sehr hartem amerikanischen Holze, ausgehöhlten Becken, die so genau aufeinander passen, wie die beiden Teile einer aufgesprengten und ausgelerten welschen Nussschale. Beide Teile werden mit einem Bande an den Daumen befestigt und die übrigen Finger sodann schnell nacheinander darauf abgeglitscht, so dass dadurch eine Art von Triller entsteht, die den Rhythmus des Gesanges oder Tanzes, wozu sie gebraucht werden, sehr fühlbar macht und demselben einen sehr munteren Charakter gibt.

In Europa sind die Castagnetten in Spanien gebräuchlich, wo man sich ihrer zu den mit Gesang verbundenen Tänzen bedient. Die Franzosen brauchen sie anjetzt, seit ihrem Feldzuge gegen die Spanier, ebenfalls sehr häufig bei dem Tanze. Im Orient sind sie ein ganz gewöhnliches Frauenzimmer-Instrument; mman nimmt daselbst zwei Paar derselben in eine Hand und schlägt sie mit vieler Lebhaftigkeit zusammen.

In dem Artikel Bolero findet man die Art ihres Gebrauches in einem Notenbeispiele. [Koch Musikalisches Lexikon 1802, 307f]

Castagnettes (1732)

Castagnettes (gall.) [franz.] sind kleine hölzerne, der Forme nach einem Löffel ohne Stiel und der Farbe nach einer Castanie [sic] gleichende Instrumentgen [sic], so an den Daumen pfleget gebunden und nach deren Klappern pflegt getanzt zu werden. Es bedienen sich solcher die Mohren, Spanier und Böhmen. [Walther Musicalisches Lexicon 1732, 146]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
Werbung