Musiklexikon: Was bedeutet Tarantella?

Tarantella, tarentinischer Tanz (1882)

Tarantella, ein neapolitanischer, aber wahrscheinlich ursprünglich tarentinischer Tanz, wenn man nicht annehmen will, dass er seinen Namen von der Vogelspinne, der Tarantel, erhielt, deren Biss bekanntlich nach dem Volksglauben Tanzwut erregt, wie anderseits seine gefährlichen Folgen nur durch Tanzen beseitigt werden sollen. Die von älteren Schriftstellern mitgeteilten Proben von Heiltänzen für den Tarantelbiss haben wenig Ähnlichkeit mit der modernen Tarantella. Letztere hat eine äußerst geschwinde Bewegung (presto) und steht im 3/8- oder 6/8-Takt. Wie alle anderen Tänze ist auch die Tarantella von der Kunstmusik aufgegriffen und eine Lieblingsform brillanter Solostücke (für Klavier, Violine, Cello etc.) geworden. [Riemann Musik-Lexikon 1882, 902f]

Tarantella (1840)

Tarantella,

  1. die Tanzwut eines von der Tarantel Gebissenen und die Melodie, welche, nach dem Volksglauben als einziges Heilmittel dagegen, von einem Geistlichen auf einer Geige gespielt werden musste. Man unterschied verschiedene Arten der Tarantellen nach der Stimmung der Kranken. Es sind aber nur sehr wenige derselben aufbewahrt worden, die aus dem 17. Jahrhunderte oder höchstens aus dem Ende des 16. Jahrhunderts herrühren. Fünf alte Tarantelmelodien aus Athan. Kircher, de arte magnetica, fol., Rom. 1654, teilt der 35. Jahrg. der Allg. Mus. Ztg. mit, davon 3 unter Beisp. 160 u. 161 [siehe folgende Abb.].
    Tarantella-Melodien

    Tarantella-Melodien nach Athanasius Kircher.

  2. ein in Italien, besonders im Tarentinischen üblicher Tanz, welcher nur Mädchen der niedern und Mittelklasse tanzen. Es gehören 3 dazu; die eine schlägt das Tamburin, die beiden andern bezeichnen mit Castagnetten die Schritte des Tanzes. Die Melodie zu diesem Tanze hat einen pikanten, eigentümlichen, ausgelassenen Charakter. [Daniel François Esprit] Auber hat ihn in seiner Muette de Portici sehr glücklich angebracht. [Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 457]

Tarantella (1882)

Tarantella heißt ein gewöhnlich nur von drei Mädchen ausgeführter, bis jetzt [um 1880] noch im Neapolitanischen gebräuchlicher Volkstanz im raschen 6/8-Takt. Die eine schlägt das Tambourin, während die beiden anderen unter eigener Kastagnetten-Begleitung die Tanzschritte in immer rascher werdendem Zeitmaße ausführen. Früher wurde dazu auch gesungen, was jetzt meist in Wegfall kommt. [Reissmann 1882, 549]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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