Musiklexikon: Was bedeutet Violoncello?

Violoncell (1840)

Violoncell, kleine Baßgeige, auch Bassetchen genannt (ital. Cello, Violoncello, franz. Violoncelle, Basse oder Petite basse). Eines der unentbehrlichsten und vorzüglichsten unserer heutigen Orchesterinstrumente, welches Tardieu um 1705 erfunden oder vielmehr aus der vorhandenen Viola di Gamba gebildet hat, indem dasselbe auch noch wie diese zuweilen Kniegeige genannt und, wie sie, von dem Spieler sitzend zwischen den Beinen gehalten wird (über den Bau desselben siehe den Artikel Geige).

Früher war unten noch ein Bein oder Stachel angebracht, mit dem es auf dem Boden ruhte. Es ist mit vier Saiten bezogen und in groß C, G und klein d und a gestimmt. Der Bogen ist stärker als bei der Violine und Viole, um in den tiefen Tönen gehörige Kraft anwenden zu können. Sein Zeichen ist der Baßschlüssel und für die hohen Töne gewöhnlich das Tenorzeichen. Hohe Solo-Sätze im G-Schlüssel pflegte man eine Oktave höher zu setzen, als gespielt werden sollte, doch gebraucht man nun [um 1840] auch die wirkliche Naturlage.

Man bezog das Violoncell anfangs mit fünf Saiten; als sich aber gegen das Jahr 1725 die Applikatur immer mehr vervollkommnete, fing man an, die fünfte Saite (eingestrichen d) wegzulassen, eine Verbesserung, die wahrscheinlich Bertaut einführte. So bildete sich das Violoncellspiel nach Tardieu aus durch die nachfolgenden Meister: Bertaut, Saint-Sevin, genannt l'Abbé cadet (1727-60), die beiden Dueport, deren älterer 1772 nach Berlin berufen wurde.

Violoncellschulen: von Cervetto, Baudiot, Dotzauer, B. Romber u. v. a. Über die Anwendung des Instruments im Orchester siehe Instrumentierung. [Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 491f]

Violoncelle, Violoncello, Cello (1879)

Violoncelle (franz.), Violoncello oder Cello (ital.), kleine Baßgeige, ein Baßstreichinstrument von gleicher Wichtigkeit als Baß des Geigenchors im Orchester und als obligate Grundstimme des Streichquartetts wie als konzertierendes Soloinstrument. Es hat den Bau aller Bogeninstrumente, ist aber erheblich kleiner als der Contrabaß [sic] (Länge des Resonanzbodens 27½ Zoll) und wird beim Spielen zwischen die Knie genommen. Dies Instrument ist mit der Bratsche in gleichen Quinten gestimmt: C, G, d, a, klingt jedoch um eine Oktave tiefer als jene.

Das Violoncello beträgt im Orchester 3½ Oktaven bis zum zweigestrichenen g, und die Noten werden im F- oder Baßschlüssel gesetzt; nur für die Töne, welche das d' oder e' übersteigen, wird gewöhnlich der Tenor- oder auch der Violinschlüssel gebraucht. In diesem letzteren Falle aber müssen die Noten eine Oktave höher geschrieben werden, weil das Violoncello an sich eine Oktave tiefer steht als die Violine. Im Orchester ist das Violoncello entweder obligat gehalten, oder es geht mit dem Contrabaß, zur Verschärfung desselben, im Einklang oder in der Oktave. An Spielgeläufigkeit wetteifert es fast mit der Violine und zeichnet sich außerdem durch ungemein männliche und edle Klangfarbe im Gesange aus.

Das Violoncello, eigentlich nur eine vervollkommnete Umgestaltung der früher üblichen Gambe, wurde von Tardieu, einem Geistlichen in Tarescon (Frankreich), zu Anfang des 18. Jahrhunderts erfunden und war anfangs mit fünf Saiten, nämlich C, G, d, a, d bezogen; doch ließ man seit 1725 die oberste d-Saite als überflüssig fort. [Riewe Handwörterbuch 1879, 281]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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