Musiklexikon: Was bedeutet Rondo?

Rondeau, Rondo (1879)

Rondeau (franz.), Rondo (ital.), ein Tonstück, Satz (Rondosatz), dem poetischen Rondeau (Ringelgedicht) nachgebildet. Sonst hatte das Rondeau eine ziemlich feste Form und bestand aus dem Haupt-(Rondeau-)satz, welcher oft wiederkehrte. Dieser Hauptsatz bestand aus zwei Teilen, deren erster gewöhnlich auf der Dominante wieder angefangen und dann der Hauptsatz wiederholt [wurde]. Hierauf folgten einige Teile in einer verwandten Molltonart, welche gewöhnlich "Minore" überschrieben waren, oder es geschah das Gegenteil, wenn der Hauptsatz selbst in einer weichen Tonart [Moll] war, in welchem Fall dann diese eingeschobenen Teile in der verwandten harten Tonart [Dur] auftraten und mit "Majore" [Maggiore] überschrieben waren. Hierauf folgte der Hauptsatz noch einmal zum Schluss oder es folgten auch wohl noch einige Nebensätze vorher.

Jetzt bindet man sich nicht mehr so streng an die hergebrachte Form und nennt dieses Tonstück von nicht zu großem Umfang, in welchem der Hauptsatz oft wiederkehrt, Rondeau. Und ist Rondeausatz der Satz eines größeren Musikstücks, eines Konzerts, Quartetts, einer Sinfonie und Sonate, worin ein Hauptthema nach mehreren Abwechslungen der Modulation als Refrain wiederkehrt. In der Vokalmusik wird es häufig auch Rundgesang genannt. [Riewe Handwörterbuch 1879, 224f]

Rondo (1882)

Rondo (ital., franz.: Rondeau, Rondel), ursprünglich wohl mit Rondellus (siehe dort) identisch, d. h. Rundgesang (deutsch Radel). Doch hat sich entweder die Form sehr früh zu größerer Freiheit entwickelt, oder umgekehrt, die Mensuralisten haben sie zu strenger Imitation verkünstelt. Das letztere ist das Wahrscheinlichere.

Die poetische Form des Rondos ist dem Sonett ähnlich und besteht aus 13 vierfüßigen Jamben mit nur zweierlei Reimen; der Anfang wird nach dem 5., 8. und 13. Vers wiederholt (Refrain) mit geistvoller Veränderung des Sinnes. Es versteht sich, dass diese Form auch die raffinierte Ausgestaltung einer ursprünglich schlichteren durch die ritterlichen Poeten des 12. bis 13. Jahrhunderts ist.

Das Charakteristische aller Rondos, Rondels, Rondelli und Radels ist aber die Wiederkehr eines prägnanten Gedankens, und das ist auch in dem heutigen Rondo der Instrumentalmusik das, worauf es ankommt. Ein einzelnes Schema des Rondos als maßgebend aufzustellen, ist verkehrt; man muss nur festhalten, dass im Rondo das Hauptthema mehrere Male wiederkehrt und dass ihm mehr als ein Nebenthema gegenübertreten. Über die fernere Ausgestaltung vergleiche Form.

Das Rondo hat stets einen heiteren Charakter und verlangt einen fein pointierten Vortrag, der wohl gar als Rondovortrag besonders unterschieden wird. Es hat das nur eine Art Berechtigung, wenn man den Begriff sehr weit fasste und auch das Scherzo, Capriccio, die Tänze und humoristischen Lieder einbegreift. Der humoristische Vortrag braucht gelegentlich spitze und plumpe Töne, schnell wechselnde Kontraste der Dynamik wie des Tempos etc., während der seriöse dergleichen mehr nivellieren muss. [Riemann Musik-Lexikon 1882, 780f]

Rondo, Rondeau (1840)

Rondo, Rondeau (Ringelstück); ein Tonstück, dessen meist gefälliges Hauptthema mehrmals in gewissen Absätzen wiederkehrt. Es erscheint teils für sich stehend, teils auch als brillanter Schlusssatz von Sonaten und Konzerten; siehe Form der Musikstücke. Es hat seinen Namen von jener Gattung veralteter Gedichte, in deren charakteristischer Form es liegt, dass sich die Anfangsworte, den Hauptgedanken enthaltend, nach bestimmten Regeln wiederholen und den Schluss bilden. Piccini war der erste, der diese Form auf die Musik übertrug. Sarti schrieb das erste Rondo mit zwei abweichenden Tempi. [Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 384]