Musiklexikon: Was bedeutet Rondo?

Siehe auch: Rondeau

Rondo, Rondeau (1865)

Rondo, Rondeau, in der Poesie ein kleines Gedicht, von französischer Herkunft, aus Doppelstrophen bestehend, von denen nach der zweiten Hälfte die erste wiederholt wird. Das einfache französische Rondeau hat eigentlich dreizehn Verse, welche nur zweierlei Reime haben und in drei Strophen abgeteilt sind. Der Anfang wird nach dem 5., 8. und 13. Vers besonders und einzeln, aber jedesmal mit einer anderen Wendung und Bezüglichkeit des Sinnes wiederholt. Die Rondeaux redoublés haben sechs vierzeilige Strophen, wovon die erste die vier Endzeilen der vier folgenden enthält, und die sechste mit den Anfangsworten der ersten Zeile schließt. Ursprünglich war die Zahl der Verse nicht bestimmt, auch wurde nur der erste oder die ersten beiden Verse am Schluss repetiert. Der Charakter soll naiv und ungezwungen heiter sein.

In der Musik hat das Rondo im Laufe der Zeit etwas voneinander abweichende Gestalten angenommen, in denen allein aber die ursprüngliche Anknüpfung an diese Art von Dichtungen erkennbar ist, indem sie auf periodischer Wiederkehr eines Hauptthemas, des sogenannten Rondosatzes, beruhen. In den älteren Tonstücken dieser Art ist der Rondosatz in der Regel eine einfache achttaktige Periode. Der Vordersatz derselben pflegt einen Halbschluss auf der Dominante zu machen, der Nachsatz ist bezüglich des Motivgehalts im Wesentlichen eine Wiederholung oder Nachahmung des Vordersatzes, macht jedoch seine Kadenz auf der Tonika. Dieser Rondosatz wird zweimal gespielt und bildet mit seiner Wiederholung die erste Hauptperiode. Darauf wendet sich die Modulation, wenn das Stück in Dur steht, in die Dominante, wenn in Moll, in die Durparallele. In dieser Tonart wird eine Periode ausgeführt und beschlossen, worauf der Rondosatz in der Haupttonart wiederholt wird, womit die zweite Hauptperiode endigt. Die dritte Hauptperiode hebt, wenn das Stück in Dur steht, in der Mollparallele oder Molltonika an (Minore), wendet sich in die Terz und schließt in der Tonart, worin sie begonnen hat. Ist die Haupttonart des Stückes eine Molltonartso steht diese Periode in der Durtonart des Grundtones oder der Terz (Maggiore). Nach Schluss dieser Periode tritt der Rondosatz wieder in der Haupttonart ein und beschließt entweder den ganzen Satz, oder man fügt noch eine vierte Hauptperiode hinzu, die entweder die melodischen Teile des ersten Zwischensatzes teils in der Haupttonart, teils in der Tonart der Quinte wiederholt. Oder es wird ein neuer Zwischensatz in einer nahe verwandten Tonart, in die bis dahin noch nicht förmlich ausgewichen worden ist (gemeinhin die Tonart der Quarte), eingeschoben und dann geschlossen. Auch nach diesem Zwischensatz wird der Rondosatz wiederholt, das Ganze abschließend.

Die Zwischensätze nennt man Couplets. Taktart und Zeitmaß des Rondo sind ganz willkürlich. Romanze wird es häufig genannt, wenn es in langsamem oder gemessenem Tempo steht und sonst dem Charakter dieser Dichtungs- und Melodiegattung entspricht.

Die beiden Formen, welche das Rondo in neuerer Zeit angenommen hat und welche beide in Beethovens Sonaten häufig sich vorfinden, sind dem Sonatensatz sehr ähnlich. Der erste Teil besteht bei beiden Arten aus erstem und zweitem Thema, Übergang und Schlussperiode. Das zweite Thema und die Schlussperiode stehen in der Dominanttonart, wenn die Haupttonart des Satzes Dur, in der Durparallele, wenn sie Moll ist. Doch ist das zweite Thema nicht so ausgeprägt, häufig ein nur mehr gangartig gebildeter und dem Hauptthema weit mehr noch als im Sonatensatz untergeordneter Nebengedanke. Das Hauptthema herrscht durchaus vor. Repetiert wird dieser erste Teil nicht, am Schluss desselben aber tritt das Hauptthema in der Haupttonart wieder auf, gemeinhin aber wenigsten in Einzelheiten etwas anders gestaltet, anders begleitet und instrumentiert, oder sonst dem Entwicklungsgange entsprechend anders gewendet.

Bei der ersten (älteren) Art dieses neueren Rondo tritt darauf ein freier, aus eigenen Motiven (die aber kein breit angelegtes Thema bilden) gestalteter Mittelsatz ein, dessen Modulation in der Regel der Tonart des zweiten Themas angehört. Nachher hat Beethoven diesen freien Mittelsatz durch eine thematische Ausgestaltung des im ersten Teil enthaltenen Motivstoffes (mit dem Mittelsatz in der Sonate völlig übereinkommend) ersetzt. Darauf erfolgt die Repetition des ersten Teils, aber mit besonderer Betonung des Hauptthemas, die Nebenthemen treten noch mehr zurück als im ersten Vortrag. Vor dem Schluss pflegt dann das Hauptthema gemeinhin noch einmal aufzutreten, worauf dann endlich noch eine thematische Gruppe oder eine aus freien Motiven aufgebaute recht feurige und glänzende Periode den Satz völlig zu beschließen pflegt. Eine schematische Aufzählung der sämtlichen Teile dieser beiden modernen Rondoarten in ihrer Reihenfolge steht unter [dem Artikel] Sonate.

In der Sonate wird das Rondo jederzeit nur als Schlusssatz verwendet. Seinen leichten und flüssigen Charakter behält es auch in den beiden neueren Formen bei, ungeachtet es hier gemeinhin umfängliche Breite gewinnt. [Dommer Musikalisches Lexicon 1865, 736f]

Rondo (1882)

Rondo (ital., franz.: Rondeau, Rondel), ursprünglich wohl mit Rondellus (siehe dort) identisch, d. h. Rundgesang (deutsch Radel). Doch hat sich entweder die Form sehr früh zu größerer Freiheit entwickelt, oder umgekehrt, die Mensuralisten haben sie zu strenger Imitation verkünstelt. Das letztere ist das Wahrscheinlichere.

Die poetische Form des Rondos ist dem Sonett ähnlich und besteht aus 13 vierfüßigen Jamben mit nur zweierlei Reimen; der Anfang wird nach dem 5., 8. und 13. Vers wiederholt (Refrain) mit geistvoller Veränderung des Sinnes. Es versteht sich, dass diese Form auch die raffinierte Ausgestaltung einer ursprünglich schlichteren durch die ritterlichen Poeten des 12. bis 13. Jahrhunderts ist.

Das Charakteristische aller Rondos, Rondels, Rondelli und Radels ist aber die Wiederkehr eines prägnanten Gedankens, und das ist auch in dem heutigen Rondo der Instrumentalmusik das, worauf es ankommt. Ein einzelnes Schema des Rondos als maßgebend aufzustellen, ist verkehrt; man muss nur festhalten, dass im Rondo das Hauptthema mehrere Male wiederkehrt und dass ihm mehr als ein Nebenthema gegenübertreten. Über die fernere Ausgestaltung vergleiche Form.

Das Rondo hat stets einen heiteren Charakter und verlangt einen fein pointierten Vortrag, der wohl gar als Rondovortrag besonders unterschieden wird. Es hat das nur eine Art Berechtigung, wenn man den Begriff sehr weit fasste und auch das Scherzo, Capriccio, die Tänze und humoristischen Lieder einbegreift. Der humoristische Vortrag braucht gelegentlich spitze und plumpe Töne, schnell wechselnde Kontraste der Dynamik wie des Tempos etc., während der seriöse dergleichen mehr nivellieren muss. [Riemann Musik-Lexikon 1882, 780f]

Rondo, Rondeau (1840)

Rondo, Rondeau (Ringelstück); ein Tonstück, dessen meist gefälliges Hauptthema mehrmals in gewissen Absätzen wiederkehrt. Es erscheint teils für sich stehend, teils auch als brillanter Schlusssatz von Sonaten und Konzerten; siehe Form der Musikstücke. Es hat seinen Namen von jener Gattung veralteter Gedichte, in deren charakteristischer Form es liegt, dass sich die Anfangsworte, den Hauptgedanken enthaltend, nach bestimmten Regeln wiederholen und den Schluss bilden. Piccini war der erste, der diese Form auf die Musik übertrug. Sarti schrieb das erste Rondo mit zwei abweichenden Tempi. [Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 384]