Musiklexikon: Was bedeutet Rondellus?

Rondellus, Rodellus (1865)

Rondellus, Rodellus. Eine Art, wie es scheint, weltlicher Gesänge, welche Franco von Köln (Gerbert, Script. III, 12) erwähnt, deren eigentliche Beschaffenheit aber nicht näher bekannt ist. Wahrscheinlich war es eine Art Rondo oder Zirkelgesang mit mehrmals wiederkehrender Melodie; ein Rondellus von Adam de la Hale (in Kiesewetter, Weltl. Gesang, Beilage 12) zeigt einen Tenor, der wiederholt und das zweite Mal mit etwas anders gewendetem Schluss gesungen wird, während ein Alt und Bass dagegen kontrapunktieren. Du Cange sagt: "Rondellus Musicis nostris Rondeau Intercalaris cantilena", und ferner: "Poetae nostrates etiam Rondeau vocant rhythmum orbicularem, et Hispani Rondelet circularem cantilenam". Auch mag der Rondellus eine aus öfterer Wiederkehr derselben Figur bestehende Gesangmanier im improvisierten Discantus gewesen sein. [Dommer Musikalisches Lexicon 1865, 736]

Rondellus (1882)

Rondellus, wohl die älteste Form strenger Imitation, wie Walter Odington (1228) definiert: "si, quod unus cantat, omnes per ordinem recitent". Nach dem von Odington mitgeteilten Beispiel zu schließen, war jedoch der Rondellus nicht ein Kanon, sondern die Stimmen vertauschten mehrmals ihre Phrasen, so dass wir darin eine Art doppelten Kontrapunkts sehen müssen. Das Schema ist zum Beispiel (jeder Buchstabe bedeutet eine Phrase von vier Takten, nach der Terminologie der Mensuraltheoretiker vier Perfektionen, deren jede dem Wert einer perfekten Longa entspricht):

Rondellus (Riemann 1882)

Schema eines Rondellus


[Riemann Musik-Lexikon 1882, 780]