Rondo (1882)

Rondo (ital., franz.: Rondeau, Rondel), ursprünglich wohl mit Rondellus (siehe dort) identisch, d. h. Rundgesang (deutsch Radel). Doch hat sich entweder die Form sehr früh zu größerer Freiheit entwickelt, oder umgekehrt, die Mensuralisten haben sie zu strenger Imitation verkünstelt. Das letztere ist das Wahrscheinlichere.

Die poetische Form des Rondos ist dem Sonett ähnlich und besteht aus 13 vierfüßigen Jamben mit nur zweierlei Reimen; der Anfang wird nach dem 5., 8. und 13. Vers wiederholt (Refrain) mit geistvoller Veränderung des Sinnes. Es versteht sich, dass diese Form auch die raffinierte Ausgestaltung einer ursprünglich schlichteren durch die ritterlichen Poeten des 12. bis 13. Jahrhunderts ist.

Das Charakteristische aller Rondos, Rondels, Rondelli und Radels ist aber die Wiederkehr eines prägnanten Gedankens, und das ist auch in dem heutigen Rondo der Instrumentalmusik das, worauf es ankommt. Ein einzelnes Schema des Rondos als maßgebend aufzustellen, ist verkehrt; man muss nur festhalten, dass im Rondo das Hauptthema mehrere Male wiederkehrt und dass ihm mehr als ein Nebenthema gegenübertreten. Über die fernere Ausgestaltung vergleiche Form.

Das Rondo hat stets einen heiteren Charakter und verlangt einen fein pointierten Vortrag, der wohl gar als Rondovortrag besonders unterschieden wird. Es hat das nur eine Art Berechtigung, wenn man den Begriff sehr weit fasste und auch das Scherzo, Capriccio, die Tänze und humoristischen Lieder einbegreift. Der humoristische Vortrag braucht gelegentlich spitze und plumpe Töne, schnell wechselnde Kontraste der Dynamik wie des Tempos etc., während der seriöse dergleichen mehr nivellieren muss. [Riemann Musik-Lexikon 1882, 780f]