Musiklexikon: Was bedeutet Durchführung?

Durchführung (1865)

Durchführung bedeutet

  1. im allgemeinen: die thematische Verarbeitung eines Tongedankens mit Hilfe des einfachen und doppelten Kontrapunktes, der Imitation, des Kanons etc., die Zerlegung desselben in seine einzelnen Bestandteile und die Bildung neuer Perioden aus diesen Bestandteilen. Näher beschrieben sind das Verfahren und die dabei in Anwendung kommenden Mittel im Artikel Thematische Arbeit.
  2. Speziell: diejenigen Teile größerer Tonsätze, in denen jene thematische Verarbeitung der Hauptgedanken vollzogen wird. So nennt man in der Sonatenform (siehe Sonate) den Mittelsatz oder zweiten Teil, in welchem nur thematische Arbeit herrscht, die Durchführung. Ebenso in der Fuge die auf die Exposition folgenden Nachahmungen und Zergliederungen des Hauptsatzes in allen vorhandenen Stimmen (siehe Fuge). Ferner auch in kleineren Formen die namentlich zur Aufnahme thematischer Arbeit bestimmten Periodengruppen, z. B. den zweiten Teil des Scherzo und Trio (siehe Sonate).

[Dommer Musikalisches Lexicon 1865, 271f]

Durchführung (1882)

Durchführung heißt in größeren Kompositionen der Teil, in welchem die (vorher aufgestellten) Hauptgedanken (Themen) des Satzes frei verarbeitet, d. h. die Motive bunt durcheinander geworfen und in neuer Weise kombiniert werden. Speziell bei der wichtigsten aller neueren Instrumentalformen, der Sonatenform, folgt die Durchführung unmittelbar der Reprise (Wiederholung), steht also in der Mitte zwischen der erstmaligen Aufstellung der Themen und ihrem abschließenden letzten Auftritt.

Bei der Fuge heißt das einmalige Durchlaufen des Themas (als Dux und Comes) durch sämtliche beteiligte Stimmen eine Durchführung, so dass man auch von einer zweiten und dritten Durchführung in der Fuge spricht; jedenfalls stammt der Name Durchführung von der Fuge her, denn auch die Durchführung des Sonatensatzes nahm früher gern einen fugenartigen Anlauf. [Riemann Musik-Lexikon 1882, 231]

Durchführung (1840)

Durchführung, Conduite, im weiteren Sinne die Beibehaltung und Bearbeitung des Hauptgedankens oder Hauptthemas in verschiedenen Wendungen und Modifikationen; im engeren, die jedesmalige Nachahmung des Hauptsatzes der Fuge in allen vorhandenen Stimmen. [Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 106]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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