Musiklexikon: Was bedeutet Diesis?

Diesis (1879)

Diesis (griech.), bei den Griechen die Teilung der Töne, besonders aber die Hälfte, der 3. und 4. Teil eines ganzen Tones. Letzterer hieß die enharmonische Dieses (Diesis enharmonica), der dritte Teil die chromatische Dieses (Diesis chromatica) und die Hälfte eines ganzen Tones die große Diesis (Diesis magna).

In der modernen Musiktheorie versteht man unter Diesis ein kleines Intervall, welches nur bei der mathematischen Berechnung der Intervalle, und zwar in dem Verhältnis 128:125, vorkommt. Es ist dieses einmal der Unterschied zwischen dem großen und kleinen halben Ton (zum Beispiel c-des und c-cis) oder der zwischen den sogenannten enharmonischen Tönen (z. B. dis-es, fis-ges), denn wenn man von dem großen halben Ton (16:15) den kleinen halben Ton (24:25) abzieht, so bleibt für den enharmonischen Ton die Diesis als Rest. Dann ist die Diesis auch der Unterschied zwischen dem großen und kleinen Limma (siehe dort), denn wenn man auch hier dieses (125:135) von jenem (27:25) abzieht, so bleibt die Diesis übrig. Letztere ist demnach um das Diaschisma (siehe dort) größer als das syntonische (kurze) Komma und macht mit dem kleinen halben Ton zusammen den großen halben Ton und mit dem kleinen Limma zusammen das große Limma. [Riewe Handwörterbuch 1879, 74]

Diesis, Dièse (1882)

Diesis (griech.; ital. Diesi, franz. Dièze, Dièse), so viel wie Kreuz ♯. Pythagoras nannte Diesis den Überschuss der Quarte über zwei Ganztöne, d. h. den nachmals Limma genannten Pythagoreischen Halbton 256:243; sodann erhielten die Pykna (kleinen Intervalle) des enharmonischen Geschlechts den Namen Diesis.

Das 15. Jahrhundert machte mit seinen humanistischen Bestrebungen auch die längst erstorbene antike Musiktheorie wieder lebendig, natürlich auf seine Art. Die Diesis lebte als Viertelston wieder auf, und man versuchte hinter das Geheimnis der Wunderwirkung der antiken Musik zu kommen durch Einführung vielfacher Tonhöhenunterschiede mit Hilfe der Diesis, konstruierte Instrumente mit besonderen Tasten für die Viertelstöne etc. Als der Wahn verrauscht war, blieb der Name Diesis für das ♯.

Ganz falsch ist jedoch die Annahme, dass das ♯ selbst aus dieser Zeit stamme. Das ♯ findet sich vielmehr in seiner heutigen Gestalt und Bedeutung schon im 13. Jahrhundert; es hieß aber ohne Unterschied B quadratum, wenn es ein vorausgegangenes ♭ auflöste (Auflösungszeichen), und wenn es einen Stammton erhöhte. Das 15. Jahrhundert brachte nur den Namen Diesis auf für das ♯ in der Bedeutung des Erhöhungszeichens, während dasselbe als Auflösungszeichen (♮) den Namen b quadratum (Quadrat ♮, franz. bécarre) behielt. Die strenge Unterscheidung der Gestalt für beide Bedeutungen ist [1882] noch nicht 200 Jahre alt. [Riemann Musik-Lexikon 1882, 204]

Diesis (1882)

Diesis (griech.) = Teilung, ursprüngliche Bezeichnung für Teile des Ganztons, welche kleiner sind als der Halbton. Spätere Schriftsteller bezeichneten mit Diesis enharmonica den Viertelston [sic], mit Diesis chromatica minor den Drittels- und mit Diesis chromatica major den Halbton. [Reissmann Handlexikon 1882, 108]

Diesis (1840)

Diesis, bei den Griechen jede Teilung der Töne, besonders die Hälfte, der dritte und der vierte Teil eines ganzen Tons.

In der modernen Musik wird unter Dieses der Unterschied zwischen dem großen und kleinen halben Tone, z. B. zwischen c-des und c-cis, oder der Unterschied zwischen den sogenannten enharmonischen Tönen verstanden. Ihr Verhältnis ist 125/128. [Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 96]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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