Musiklexikon: Was bedeutet Versetzung?

Versetzung, Wiederholung (1879)

Versetzung heißt die stufenweis auf- oder abwärts erfolgende Wiederholung einer melodischen Figur. Sie unterscheidet sich von der Transposition wesentlich dadurch, dass die Intervallverhältnisse bei der Versetzung verändert werden, weil sie ohne Anwendung der Versetzungszeichen erfolgt. Bei der Transposition werden die Intervalle dagegen ganz genau nachgeahmt, so dass die Versetzungszeichen notwendig werden.

Der Missbrauch solcher Versetzungen als Sequenz und Progression oder Schusterflecke ist sehr verpönt. Doch sind sie für die künstlerische Gestaltung unerlässlich und die größten Meister wie Bach und Beethoven machen in unzähligen Fällen davon Gebrauch. Eins der größten und bedeutendsten Themen der gewaltigsten Ouverturen Beethovens, das erste der großen Leonoren-Ouverture:

Versetzung, Beispiel Beethoven

Versetzung, Beispiel Beethoven

mag als Beleg hier stehen. [Mendel/Reissmann Musikalisches Lexikon 1879, 26]

Versetzung (1879)

Versetzung, eine Art musikalisch-rhetorische Figur, bestehend in der Wiederholung eines melodischen Teils unmittelbar nach seinem Vortrag durch dieselbe Stimme und in derselben Tonart, nur auf einer anderen Stufe derselben. Durch letzteres unterscheidet sich die Versetzung von der Transposition, welche die Wiederholung eines musikalischen Satzes in einer anderen Tonart ist.

Versetzung ist in der kontrapunktischen Schreibart das Verfahren, wenn man den Kontrapunkt über die Oktave hinaus verlegt und alsdann keine eigentliche Umkehrung stattfindet. [Riewe Handwörterbuch 1879, 277]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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