Musiklexikon: Was bedeutet Bünde?

Bunde, Bünde (1802)

Bunde oder Bünde. Man pflegt bei der Laute, Viole d'Amour, bei dem Colascione und dergleichen Instrumenten auf alle diejenigen Stellen des Griffbrettes, wo die Töne gegriffen werden müssen, quer über das Griffbrett und um den Hals herum ein Stückchen Darmsaite festzubinden, auf welches sich die Saiten des Instruments, wenn sie nahe bei einem solchen Bunde mit dem Finger niedergedrückt werden, wie auf einem Sattel auflegen, und also auf eine sehr bestimmte Art verkürzt werden. Bei der Guitarre bestehen diese Bünde aus dünnen Stückchen Elfenbein, die in das Griffbrett eingelassen sind. Durch diese Einrichtung wird bei diesen Instrumenten der Ton nicht allein dadurch heller, dass die Saite auf dem Bunde aufliegt, sondern es wird auch hauptsächlich dadurch der Vorteil gewonnen, dass das Reingreifen der Töne um sehr vieles erleichtert wird, weil der Finger die Saite hinter dem Bunde merklich näher oder entfernter von demselben niederdrücken kann, ohne dass dadurch der Ton höher oder tiefer wird. [Koch Musikalisches Lexikon 1802, 272f]

Bünde, Frets, Touches, Tasti (1882)

Bünde (Plural, engl. Frets, franz. Touches, ital. Tasti), quer über das Griffbrett laufende schmale Holz- oder Metallleisten, welche beim Niederdrücken der Saiten durch die greifenden Finger zu Stegen werden und die Länge des schwingenden Teils der Saite genau bestimmen, d. h. ein reines Spiel erleichtern, vorausgesetzt, dass die Entfernungen der Bünde richtig berechnet sind. Die Bünde eignen speziell den lautenartigen Instrumenten und scheinen mit diesen durch die Araber ins Abendland gebracht worden zu sein. Streichinstrumente mit Bünden tauchen im Abendland erst auf, nachdem sich die Laute verbreitet hatte, im 14. Jahrhundert. Diese "Lautengeigen" hatten auch, wie die Laute die sog. "Rose", eine große Anzahl Saiten und keinen Steg. Die ältesten abendländischen Streichinstrumente, die Fidel (viola, viella), Chrotta und Rubebe, hatten keine Bünde (vgl. "Allgemeine Musikalische Zeitung", 1879, Nr. 8). Die letzten Nachkommen der Lautengeigen waren die Viola da gamba und ihre Verwandten. Heute haben nur noch die Guitarre, Zither und ähnliche Kneifinstrumente [Zupfinstrumente] Bünde. [Riemann Musik-Lexikon 1882, 136f]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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