Musiklexikon: Was bedeutet Tempus?

Tempus (1882)

Tempus (lat., "Zeit"), in der älteren Mensuralmusik der Zeitwert der Brevis, die ursprüngliche Zeiteinheit, was heute bei uns etwa das Viertel ist. Nur im Fall der Alteration konnte die Brevis zwei Zeiten (tempora) gelten. Seit dem 14. Jahrhundert, wo neben dem Tripeltakt wieder zweiteilige Taktarten in Aufnahme kamen, unterschied man ein Tempus perfectum und Tempus imperfectum, welch letzteres den Zeitwert der Brevis um ein Drittel kürzer nahm. Im Tempus perfectum galt nämlich die Brevis drei Semibreven, im Tempus imperfectum aber nur zwei Semibreven gleicher Dauer, d. h. es wurde nun die Semibrevis (unsre ganze Taktnote) die Zeiteinheit, so dass hierin der Ursprung der modernen Taktbestimmungen zu suchen ist (vergleiche Takt).

Das Zeichen des Tempus perfectum war der Kreis O, das des Tempus imperfectum der Halbkreis C (jetzt das Zeichen des 4/4-Takts). [Riemann Musik-Lexikon 1882, 910f]

Tempus (1840)

Tempus (lat. Zeit, Zeitteil); in der älteren Musik nannte man Tempus perfectum (vollkommene Zeit) die ungerade Taktart, in welcher eine Brevis drei Semibreves galt; Tempus imperfectum (unvollkommene Zeit), die gerade Taktart, in welcher die Brevis zwei Semibreves galt. Die Bezeichnung dieser letzteren war ein Zirkel (auch durchstrichen); die der ersteren ein Zirkel mit einem Punkt - und dieser hieß Prolatio, Verlängerung (siehe Zeichen). Übrigens sind diese Zeichen, da ihre Bedeutung von Zeit zu Zeit gewechselt hat, schwankend geworden. [Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 461]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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