Musiklexikon: Was bedeutet O (Taktzeichen)?

Als (Notations-)Zeichen das Symbol für den dreiteiligen Takt bzw. das Tempus perfectum.

O, Zirkel, Tempus perfectum (1802)

O. Dieser lateinische Versalbuchstabe, der ehedem entweder in der Form eines Zirkels oder als zwei voneinander abgesonderte Halbzirkel, nämlich C Ɔ, zu Anfange eines Tonstückes nach dem Schlüssel gesetzt wurde, bezeichnete bei unseren Vorfahren ihr sogenanntes Tempus perfectum oder den aus drei Semibreves bestehenden Takt, wobei die Brevis auch ohne Punkt drei Semibreves galt. Oft wurde diesem Versalbuchstaben oder Zirkel in der Mitte auch ein Punkt hinzugefügt oder der ganze Zirkel mit einer Linie durchschnitten.

Das Tempus imperfectum, welches unserem Zweizweiteltakte entspricht und in welchem die Brevis nur zwei Semibreves galt, wurde zum Unterschiede des vorhergehenden mit einem halben Zirkel, der seine Öffnung entweder nach der rechten oder nach der linken Seite kehrte (nämlich mit C oder Ɔ), bezeichnet. […] [Koch Musikalisches Lexikon 1802, 1078f]

O, Kreis, Temporis perfecti (1732)

O dieser Buchstab ist eigentlich ein Circul [Zirkel, Kreis] und das Zeichen [für] Temporis perfecti […] Bei unseren Vorfahren war er allezeit das Zeichen des Tripel-Takts, weil sie prätendierten, dass der numerus ternarius viel vollkommener wäre als der binarius und dass sich der Circul am besten schicke, den Tripel anzuzeigen, weil er die allervollkommenste Figur sei. [Walther Musicalisches Lexicon 1732, 447]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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