Musiklexikon: Was bedeutet Sextole?

Sextole (1865)

Sextole. Eine durch Auflösung einer Note in sechs unter sich gleiche Teile entstehende Notenfigur. Geschrieben wird sie mit Noten derjenigen Gattung, von welcher die aufgelöste Note in gewöhnlicher geradzahliger Teilung vier enthält, eine zum Beispiel durch Auflösung einer Viertelnote entstandene Sextole also mit Sechzehntelnoten, eine durch Auflösung einer Halben entstandene mit Achtelnoten etc. Weil unsere Tonzeichen aber geradzahlige Teilung voraussetzen lassen, schreibt man zur näheren Kennzeichnung die Zahl 6, mit oder ohne Bogen, über die Sextolenfigur, wie unter Notenbeispiel a).

Dem äußeren Ansehen nach scheint die Sextole aus zwei Triolen zu bestehen, doch ist sie hinsichtlich der Akzentuation etwas anderes. Denn bei der Triole, als dreigliedriger Auflösung der nächsthöheren Notengattung, hat jede erste Note einen leisen Akzent, der wenn auch häufig nur äußerst schwach, so doch wenigstens so viel als zur Kenntlichmachung der dreiteiligen Gliederung hinreicht, markiert wird (Beispiel b). Die Sextole hingegen ist nicht zusammengesetzt dreiteilige, sondern einfach sechsteilige Gliederung, hat nur einen Akzent auf dem ersten Gliede, keinen auf dem vierten; ihre letzten fünf Glieder werden durchaus gleichmäßig stark und vollkommen rund ausgeführt.

Sextole (Dommer 1865)

Sextolen versus Triolen

[Dommer Musikalisches Lexicon 1865, 766]

Sextole (1882)

Sextole, eine Figur von sechs Noten, welche so viel gelten sollen als sonst vier derselben Art.

Die Bedeutung der Sextole ist entweder die der untergeteilten Triole oder die der Doppeltriole. Da die Triole, wie die Sextole, in der Regel eine Steigerung gegenüber der zu Grunde liegenden Bewegungsart ist, so wird die Wahl der einen oder anderen Auffassung von der Bewegungsart abhängen, d. h. die Sechzehntelsextole wird bei Achtelbewegung als untergeteilte Triole:

Sextole, 1. (Riemann 1882)

Sextole (unterteilte Triole)

bei Sechzehntelbewegung als Doppeltriole:

Sextole (Doppeltriole)

zu fassen sein.

In der Notenschrift wird für gewöhnlich eine Unterscheidung nicht gemacht, sondern jede Sextole mit 6 bezeichnet. Es empfiehlt sich aber, da die 6 in den Taktvorzeichnungen stets die Verbindung zweier dreiteiliger Takte bedeutet (6/8 = 3/8 + 3/8), auch die Sextole nur dann mit einer 6 zu bezeichnen, wenn sie als Doppeltriole gemeint ist, sonst aber als einfache Triole mit 3:

Sextole, 3. (Riemann 1882)

Sextole als Triole notiert

[Riemann Musik-Lexikon 1882, 852f]