Musiklexikon: Was bedeutet Falsett?

Falset, Fistel, Fistelstimme (1807)

Falset [sic], Fistel, Fistelstimme. Wenn bei dem Gesange nächst den höchsten Tönen der Stimme, die in dem natürlichen Umfang derselben enthalten sind und die man ohne merklichen Zwang der Singorgane aus voller Brust und offener Kehle intonieren kann, noch einige höhere Töne vermittelst einer gewissen Pressung der Singorgane hervorgebracht werden, die sich wegen dieser Pressung der Organe als eine besondere Art der Stimme unterscheiden, so wird diese Art der Stimme von vielen Lehrern des Gesanges Falset oder Fistelstimme genannt. Andere Singmeister pflegen diesen Übergang in die angezeigten höheren Töne die Kopfstimme zu nennen und verstehen unter der Falsetstimme bloß die dem männlichen Geschlechte eigene Art der Stimme, bei welcher alle Töne ohne Unterschied vermittelst einer besonderen Lage und Pressung der Singorgane hervorgebracht werden müssen, welches geschieht, wenn z. B. der Bassist einen Satz, der dem Umfang seiner natürlichen Stimme angemessen ist, um eine Oktave höher singt und also seine Stimme in den Umfang des Alts zwingt. Dieses ist eigentlich der Prozess, den man mit dem Ausdruck durch die Fistel singen bezeichnet.

Vor Zeiten war man gewohnt, die höchsten und tiefsten Töne der Blasinstrumente, deren man sich nur selten bediente, wie z. B. auf dem Fagotte das Contra-B und das eingestrichene g oder as, mit dem Ausdrucke Falset-Töne zu bezeichnen. [Koch Handwörterbuch Musik 1807, 145f]

Falsett, Fistel, Kopfstimme (1882)

Falsett, Fistel und Kopfstimme sind drei Ausdrücke in der Gesanglehre, die bald konfundiert, bald in dieser oder jener Weise unterschieden werden. Alle drei haben das Gemeinsame, dass sie eine partielle Schwingungsart der Stimmbänder bezeichnen; die sogenannte Fistel, dünn und schwächlich von Klang, ist wahrscheinlich nur ein Schwingen der Ränder der Stimmbänder, die stärkere Kopfstimme dagegen zwar ein Schwingen in der ganzen Breite, aber nicht in der ganzen Länge, indem sich nur der mittlere Teil der Stimmritze öffnet. Falsett nennt man beide im Gegensatz zur Bruststimme, besonders bei der männlichen Stimme, wo die Bruststimme (Schwingung der Stimmbänder in ihrer ganzen Ausdehnung) den größeren Teil des Stimmumfangs ergibt. Bei der Frauenstimme, wo die Kopfstimme überwiegt und nur eine kleine Anzahl tiefster Töne der Bruststimme zufallen, pflegt man nur die Fistel mit dem Namen Falsett zu benennen. [Riemann Musik-Lexikon 1882, 252f]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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