Falset, Fistel, Fistelstimme (1807)

Falset [sic], Fistel, Fistelstimme. Wenn bei dem Gesange nächst den höchsten Tönen der Stimme, die in dem natürlichen Umfang derselben enthalten sind und die man ohne merklichen Zwang der Singorgane aus voller Brust und offener Kehle intonieren kann, noch einige höhere Töne vermittelst einer gewissen Pressung der Singorgane hervorgebracht werden, die sich wegen dieser Pressung der Organe als eine besondere Art der Stimme unterscheiden, so wird diese Art der Stimme von vielen Lehrern des Gesanges Falset oder Fistelstimme genannt. Andere Singmeister pflegen diesen Übergang in die angezeigten höheren Töne die Kopfstimme zu nennen und verstehen unter der Falsetstimme bloß die dem männlichen Geschlechte eigene Art der Stimme, bei welcher alle Töne ohne Unterschied vermittelst einer besonderen Lage und Pressung der Singorgane hervorgebracht werden müssen, welches geschieht, wenn z. B. der Bassist einen Satz, der dem Umfang seiner natürlichen Stimme angemessen ist, um eine Oktave höher singt und also seine Stimme in den Umfang des Alts zwingt. Dieses ist eigentlich der Prozess, den man mit dem Ausdruck durch die Fistel singen bezeichnet.

Vor Zeiten war man gewohnt, die höchsten und tiefsten Töne der Blasinstrumente, deren man sich nur selten bediente, wie z. B. auf dem Fagotte das Contra-B und das eingestrichene g oder as, mit dem Ausdrucke Falset-Töne zu bezeichnen. [Koch Handwörterbuch Musik 1807, 145f]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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