Musiklexikon: Was bedeutet Vaudeville?

Vaudeville (1879)

Vaudeville (franz.), eine Gattung von Schauspielen mit Gesang, nicht immer vom vollen Orchester, sondern oft von Quartettmusik begleitet, unterscheidet sich von der Operette hauptsächlich dadurch, dass die darin vorkommenden und mit der dargestellten Handlung verwebten Gesangstücke meist aus Liedern bestehen, die entweder dem Publikum bekannt oder von dem Tonsetzer neu bearbeitet sind.

Der innerste Lebensnerv des Vaudevilles ist ausschließlich ergötzliche Unterhaltung und Vergnügen, was das verwandte Liederspiel nicht so streng beobachtet. Je nach der mehr rein komischen oder mehr possenhaften Färbung unterscheidet man "Comedie-Vaudeville", "Folie-Vaudeville", Drame-Vaudeville".

Die Franzosen haben auch noch eine Gattung leichter Lieder, die sie Vaudeville nennen und von der das Theaterstück Ursprung und Namen hat. Ein solche Lied besteht aus mehreren Couplets und ist heiteren, oft satirischen Inhalts, in welchem Fall es irgendeine komische Begebenheit des Tages, eine lächerliche Sitte oder Torheit des Zeitalters geißelt. Die Melodie des Liedes ist leicht, gefällig, und am Ende jeder Strophe wird der Hauptgedanke mit passenden Veränderungen wiederholt. [Riewe Handwörterbuch 1879, 276f]

Vaudeville (1882)

Vaudeville (sprich: wod'wihl) ist eigentlich der Name französischer Volkslieder mit satirischer Tendenz, die in einem knappen Refrain zum Ausdruck kommt. Das Vaudeville fand im vorigen Jahrhundert Eingang in Bühnenwerke leichteren Stils, auf welche der Name schließlich überging. Das deutsche Liederspiel wie die englische Bettleroper (siehe Ballad-opera) entstanden in ganz ähnlicher Weise. [Riemann Musik-Lexikon 1882, 956]

Vaudeville (1802)

Vaudeville. Ein Lied, welches gewöhnlich über scherzhafte oder satirische Gegenstände gemacht wird. Das Vaudeville gehört, wie Rousseau behauptet, ausschließend den Franzosen zu, und die Melodie ist nach eben diesem Autor gemeiniglich wenig musikalisch. Man bemerkt daran, spricht er, gewöhnlich weder Geschmack, noch Gesang, noch Rhythmus. In diesem Urteile erscheint jedoch Rousseau, wie gewöhnlich, als ein Verächter der Musik seiner Landsleute; denn es sind unter uns dergleichen Tonstücke bekannt, welche dieser Vorwurf nicht trifft.

In dem Artikel Liederspiel findet man den Charakter dieser Gattung des Liedes weitläufiger beschrieben. [Koch Musikalisches Lexikon 1802, 1631]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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