Partitur, Sparte (1882)

Partitur oder Sparte (vom ital. partire oder spartire, trennen, verteilen); partitura, partizione, spartizione, spartito (ital.); partition (franz.); score (engl.), ist die übersichtliche Zusammenstellung aller Stimmen eines mehrstimmigen Tonstücks, so dass daraus nicht nur der Gang jedes einzelnen, sondern auch die Gesamtwirkung, wie sie zusammenklingen zu ersehen ist. Die einzelnen Stimmen werden in bestimmter Ordnung - bei den Singstimmen nach ihren Tonlagen - jede auf einem besonderen System so übereinandergestellt, dass die zusammenklingenden Takte und Noten genau übereinander stehen. Erst seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde es allgemeiner üblich, diese Partituren zu veröffentlichen.

In der Regel kommen beim Orchester 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 2, 3 oder 4 Hörner, 2 oder 3 Trompeten und 3 Posaunen zur Anwendung und jedes Instrumentenpaar erhält nur ein System, im Fall sie nicht so selbständig geführt sind, dass die Aufzeichnung beider auf einem System leicht Verwirrung erzeugt. Die Übersichtlichkeit einer Partitur wird noch dadurch erhöht, dass die zusammengehörigen, auf verschiedenen Systemen aufgezeichneten Instrumente durch Klammern (Akkoladen) verbunden werden. Beginnt ein Tonstück nicht vollstimmig und will man in der Partitur der Raumersparnis halber für die noch nicht mitwirkenden Instrumente nicht eher ein System brauchen, als bis sie wirklich eintreten, so werden diese Instrumente mit dem Beisatz cont. (contano) = sie zählen, pausieren, aufgeführt. Gehen zwei Stimmen, die auf gesonderten Systemen verzeichnet sind, längere Zeit im Einklang oder in Oktaven, so kann man sich dabei begnügen, nur einmal die Stimme auszuschreiben und in der anderen anzuzeigen, dass sie mit jener im Einklange oder in Oktaven geht; es geschieht dies durch die Bezeichnung: col Flauto, Oboe usw. oder: all' 8va col.

Wird eine länger ausgeführte Stelle später wiederholt, so schreibt man die Wiederholung wohl auch nur in der Oberstimme hin und quer durch die übrigen Stimmen: come sopra, oder: accompagne come sopra - um anzuzeigen, dass diese wie früher geführt werden sollen. Es sind dies mehr Erleichterungen für den Schreiber, nicht auch für den Partiturlesenden und den Dirigenten, und deshalb werden diese Hilfsmittel in neuerer Zeit nicht mehr angewendet; man schreibt alles aus. Erwähnt sei noch, dass in Frankreich der Klavierauszug Partition heißt, unsere Partitur aber Grande Partition. [Reissmann Handlexikon 1882, 365f]