Tanzstücke (1882)

Tanzstücke. Die älteren Tänze waren ursprünglich Tanzlieder, so die deutschen Ringelreihen und Springtänze, die spanischen Sarabanden, die französischen Branles, Gavotten, Couranten, Giguen, Rigaudons, Musetten, Bourrées, Passepieds, Loures etc., die italienischen Paduanen, Gagliarden, Ciaconen, Passamezzi etc. Die Instrumentenspieler verbreiteten die Melodien, und sie mögen oft genug schon vor dem 16. Jahrhundert nur von Instrumenten ohne Gesang gespielt worden sein. Eine kunstgemäße mehrstimmige Bearbeitung für Instrumente erfuhren sie ebenfalls spätestens im Anfang des 16. Jahrhunderts, aus welcher Zeit uns viele gedruckte Sammlungen erhalten sind. In eine neue Phase der Entwicklung traten die Tanzstücke, als man anfing, ihrer mehrere zu zyklischen Formen zu vereinigen, wobei zunächst die Einheit der Tonart das Bindemittel bildete. In der daraus resultierenden Form der Partie (Partita) oder Suite, die besonders für Klavier um die Wende des 17. und 18. Jahrhunderts lebhaft kultiviert wurde, erfuhren die Tanzstücke erhebliche Erweiterungen, so dass dieselben statt kurzer achttaktiger Reprisen ausgeführte Themata, Gegenthemata und Durchführungen erhielten. [Riemann Musik-Lexikon 1882, 902]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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