Laute (1855)

Laute, 16. Jahrhundert

Laute, 16. Jahrhundert. Fig. 11 aus [Welcker von Gontershausen Magazin 1855].

Die Laute. In früheren Zeiten war die Laute ein äußerst beliebtes Instrument, und noch jetzt existiert ihr Geschlecht in vielfach veränderter Form, die aber in musikalischer Beziehung nur in geringem Wert stehen. Ihrer ursprünglichen Form nach hat sie das Ansehen einer Schildkrötenschale, woraus sogar die ersten Körper genommen worden sind, indem man nur eine flache Decke (Sangboden [Resonanzdecke]) darauf befestigte. Man glaubt, dass sie aus Persien stamme und von Manes oder Manichäus, einem Philosophen, der die Secte [sic] der Manichäer stiftete, gegen 270 Jahre nach Christo erfunden worden sei. Fig. 11 zeigt eine Laute aus der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts.

An dem Körper, der, wie schon gesagt, die Form einer Schildkrötenschale hatte und entweder aus dieser selbst oder von hartem Holz gebaut war, befindet sich oben eine flache Resonanzdecke. Mit dieser in ebener Richtung läuft an dem oberen oder schmalen Teil des Körpers, auf dem ein Griffbrett mit Tonbunden liegt, das ziemlich bis an das Schallloch in der Decke hinreicht und über letzteres etwas erhaben ist. Die Tonbunde laufen quer über das Griffbrett und bestehen aus dünnen Stäbchen von Darmsaiten oder Bein [Elfenbein]. Unten auf der Decke ist der Sattel (Steg oder Saitenfessel) aufgeleimt, in dem die Löcher für Befestigung der Saiten eingebohrt sind. Das Schallloch ist ziemlich in der Mitte der Decke, hat gegen drei Zoll Durchmesser und war öfters künstlich [künstlerisch] umrandet oder mit schönen Figuren durchbrochen. Die Saiten werden mittelst eines Knotens mit einer Patrone befestigt und sind in dreizehn Chöre abgeteilt. Elf dieser Chöre sind je zwei und zwei Saiten in Einklang gestimmt, die beiden höchsten aber sind einchörig. Vierzehn von diesen Saiten ziehen über das Griffbrett hin, in einen Wirbelkasten, und können auf den Tonbunden verkürzt werden. Die anderen zehn gehen neben dem Griffbrett vorbei, in einen besonderen Wirbelkasten, wo sie gestimmt werden. Diese zehn bilden den Grundton, die anderen vierzehn aber die Melodie. Die Saiten stimmte man in folgende Töne: contra A, B, groß C, D, F, G, A, klein d, f, a, d', f', a'.

Von diesem Tonumfang sind die Lauten jedoch erst um 1660 bekannt geworden. Die Lauten der uns bekannten ältesten Lautenvirtuosen Hans Gerle in Nürnberg (gegen 1554) sowohl als diejenigen von Sebastian Ochsenkuhn (Hoflautenist von Otto Heinrich, Kurfürst von der Pfalz, um 1558) und von Melchior Newsiedler in Nürnberg (starb 1590) hatten, nach der Lautenschule von Petrucci zu urteilen, welche 1509 in Venedig erschien, nur sieben Saiten, die in F, G, klein c, f, a, d', g gestimmt wurden. Um 1678 galt Joh. Abell in Cassel als großer Lauten-Virtuose.

Basslaute und Mandoline/Mandora

Basslaute und Mandoline/Mandora. Fig. 12 und 13 aus [Welcker von Gontershausen Magazin 1855].

Bei der Laute gebrauchte man in der Schreibart für dieselbe statt der Noten Buchstaben, die man auf sechs Linien schrieb, und bezeichnete die Dauer der Töne durch Noten über der sechsten Linie. Diese Schreibart wure Lautentabulatur genannt. In Italien führte man gegen 1510 Ziffern statt der Buchstaben ein, welche die Bunde ausdrückten, die gegriffen werden sollten. Jedoch man diese Schreibart wenig in Gebrauch, weil die Lautenschläger die älteste Schreibart stets vorzogen und selbst die einfachere Notation ablehnten. Man bediente sich der Laute zur Ausführung des Grundbasses, als Begleitung beim Gesang, in der Oper und bei Kirchenmusik. Ouvertüren oder Stücke mit Melodie konnten nur schwer darauf ausgeführt werden, wiewohl sich geschickte Lautenschläger doch daran wagten. Nach Deutschland soll die Laute aus Spanien gekommen sein, und in dieses Land kam sie zuerst durch die Mauren unter dem Namen "alaud".

Man verfertigte sie in verschiedener Größe und Form, wobei die Veränderungen nicht mangelten, aus denen nach und nach folgende Gattungen entstanden:

  • die Basslaute […]
  • die Mandoline oder Mandora […]
  • das Mandurchen […]
  • die Guitarre […]

[Welcker von Gontershausen Magazin 1855, 68ff]