Horn, Waldhorn (1807)

Horn, Waldhorn, ital. Corno die Caccis, franz. Cor de chasse. Dieses allgemein bekannte Blasinstrument von Blech ohne Tonlöcher, welches aus einer langen aber rund zusammengewundenen Röhre besteht, die sich in einen weiten Schalltrichter endigt, wird vermittelst eines metallenen Mundstückes mit einem konischen Kessel und schmalen Rande zum Ansatze intoniert.

Das Horn steht, wegen der Länge seines Rohres, um eine Oktave tiefer als die Trompete, beide Instrumente haben aber folgendes gemein,

  1. dass dabei, wegen Mangel an Tonlöchern, die Verschiedenheit der Töne bloß durch den Ansatz hervorgebracht werden muss;
  2. dass ihre Tonleiter von den Tonleitern der übrigen Instrumente ganz verschieden ist, weil sie bloß die sogenannte harmonische Tonleiter angeben, die sich nach den Gesetzen der Natur des Klanges in jedem Tone mitklingend entwickelt - und die man in dem Artikel Verhältnis der Intervallen [sic] findet;
  3. dass (weil beide Instrumente in der Tiefe nur die Töne eines harten Dreiklanges, in der Höhe aber nur vorzüglich die diatonische Tonleiter des Grundtons dieses Dreiklangs angeben) zu einer anderen Tonart auch ein anderes Instrument gebraucht werden muss, welches nach dieser Tonart mensuriert ist, und
  4. dass man wegen der zuletzt angezeigten Beschaffenheit dieser beiden Instrumente die für sie bestimmten Notenstimmen jederzeit in die Tonart c schreibt.

Der Weitläufigkeit, sich ebenso viel Paar Hörner und Trompeten in einem Orchester zu bedienen, als verschiedene Tonarten gebräuchlich sind, ist man durch die Erfindung der sogenannten Inventions-Hörner und Trompeten zuvorgekommen. Zu Folge dieser wichtigen Erfindung bedarf man zu allen verschiedenen Tonarten nur eines einzigen Instrumentes, welches so eingerichtet ist, dass man größere und kleinere gebogene Röhren, deren Länge nach den Grundtönen der verschiedenen Tonarten gerichtet ist, mitten ins Rohr des Instrumentes einschieben und also vermittelst derselben das Instrument in alle Tonarten einstimmen kann.

Die Hornisten haben ein Mittel erfunden, nicht allein die Töne b, f, fis und a (die, auf dem Horne angegeben [geblasen], mit unserem temperierten Tonsysteme nicht völlig übereinstimmen) nach dem Tonsysteme zu verbessern, sondern auch diesem Instrument solche Töne zu entlocken, die es von Natur nicht angibt. Dieses Kunstmittel, welches sie das Stopfen nennen, besteht darin, dass sie bei der Intonation der Töne durch mehr oder weniger Hineinschieben der Hand in den Schalltrichter der Luft den Ausgang mehr oder weniger verhindern - und also auf eine ähnliche Art verfahren, wie der Orgelbauer bei dem Stimmen der offenen Flötenregister. Bei der Trompete kann dieses Kunstmittel, wegen der Form des Instrumentes, nicht benutzt werden. [Koch Handwörterbuch Musik 1807, 136f]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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