Musiklexikon: Was bedeutet Baryton?

Baryton (1865)

Baryton, Viola di Bordone.

  1. Ein ungefähr um 1700 (Gerber) erfundenes und zu Haydns Zeit in Wien vorkommendes Saiteninstrument, an Gestalt der Viola da gamba ähnlich, mit 5-7 Darmsaiten, die mit dem Bogen gestrichen werden, über dem Griffbrette, außerdem aber hinten am ausgehöhlten Halse noch mit 8, 14, 16, von Anton Lidl sogar mit 27 Drahtsaiten, die man zugleich mit der Spitze des Daumens spielte, bezogen. Es soll von edlem, angenehmem Klange und in der Hand eines Künstlers zum Ausdrucke sanfter und melancholischer Empfindungen sehr geeignet gewesen sein. Die Schwierigkeit seiner Spielart aber, welche auch nur mäßig bewegte Sätze zuließ, sowie die damit verbundene Unbrauchbarkeit als Orchesterinstrument, mögen Ursache sein, dass es jetzt [um 1865] ganz vergessen ist. Haydn (Carpani, Haydine) hat 163 Piecen [sic] dafür geschrieben. Siehe auch Maier, Musiksaal 1741, wo es auch Viola de Paredon heißt.
  2. Den Namen Baryton oder Euphonium führt auch ein von Sommer 1843 konstruiertes Blechinstrument, in 1B stehend, mit 9 Fuß langer Röhre.

[Dommer Musikalisches Lexicon 1865, 92]

Baryton, Viola di Bardone (1802)

Baryton (Viola di Bardone), ist ein Instrument von sehr lieblichem Tone und in der Hand des Virtuosen ganz besonders zu tiefen Eindrücken sanfter und melancholischer Empfindungen geeignet. Die mit dem Traktemente desselben verbundenen Schwierigkeiten, welche verursachen, dass nur Sätze von langsamer oder mäßiger Bewegung auf demselben herausgebracht werden können, und die Unbrauchbarkeit desselben zu einem gewöhnlichen Orchester-Instrumente mögen wohl die Ursachen sein, warum es fast gänzlich vernachlässigt wird.

Das Baryton ist der Viola da Gamba sehr ähnlich, es hat sieben Darmsaiten auf dem Griffbrette, die mit dem Bogen gestrichen werden; nächst diesen aber noch 16 Drahtsaiten, die unter das Griffbrett hinlaufen, und die der Spieler bloß mit der Spitze des Daumens berührt. [Koch Musikalisches Lexikon 1802, 215]