Musiklexikon: Was bedeutet Bacchanalien?

Bacchanalien (1870)

Bacchanalien hießen die geräuschvollen Feste der Griechen und Römer zu Ehren des Gottes Bacchus, deren Hauptteil aus wilden, von Trompetenmusik und Pauken begleiteten Tänzen, aus musikalischen Wettstreiten und Spielen bestand, aus welchen letzteren sich die Dramen oder Schauspiele entwickelten. Für den ältesten Mittelpunkt der Bacchanalien galt in Griechenland das von Kadmos gegründete Theben, welches auch als Geburtsort des Bacchus genannt wird. In Athen war der Dienst des lenäischen Bacchus der älteste, von dem sich Spuren bis in die mythische Vorzeit finden, obwohl auffallender Weise weder Homer, noch Hesiod von diesem Gotte oder seinem Dienste Etwas zu wissen scheinen. Als Opfer wurden Böcke, Ziegen und Stiere dargebracht. Frauen und Mädchen, Mänaden genannt, führten dabei, mit Handpauken versehen und in Felle von Hirschkälbern gekleidet, zur Nachtzeit unter Schwenken der Thyrsusstäbe, wildschaurige Tänze auf und ließen sich zu ekstatischen Ausschreitungen hinreißen. Schon im Jahr 496 v. Chr. war der griechische Bacchusdienst zugleich mit dem der Ceres auch in Rom eingeführt worden, und letztere wurde mit dem Bacchus, dort Liber genannt, in gemeinschaftlichem Tempel verehrt. Beiden zu Ehren wurden die Liberalien am 17. März gefeiert und zwar anfangs in einer einfacheren und ruhigeren Weise als die griechischen Bacchanalien. Später aber artete dieser Dienst, dem Vorbilde entsprechender, ganz aus und wurde mit einer Zügellosigkeit begangen, in welcher die Consuln und der Senat Gefahr für die Sitten und den Staat sahen. Es fanden die widernatürlichsten Ausschweifungen dabei statt; zuerst wurden nur Frauen in den bacchantischen Geheimdienst aufgenommen, später aber auch Männer zugelassen. Ja, man ging endlich soweit, dass Niemand mehr, der das zwanzigste Jahr überschritten, aufgenommen werden sollte. Als dieser Unfug die höchste Spitze erreicht, leitete der Staat in Jahr 186 v. Chr. eine Untersuchung deswegen ein und rottete die Bacchanalien mit der größten Strenge aus. Bekannt ist in Bezug darauf das Senatus consultum de bacchanalibus. Jedoch kamen sie später, besonders zur Kaiserzeit, immer noch vor. In neuerer Zeit werden lärmende, von wüsten Gesängen begleitete Trinkgelage Bacchanalien genannt, ein Name, welcher mitunter auch den Trinkliedern selbst beigelegt wird. [Mendel Musikalisches Lexikon 1870, 390f]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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