Musiklexikon: Was bedeutet Graduale?

Graduale (1929)

Graduale (lateinisch: Responsorium graduale oder gradale)

  1. Der im römisch-katholischen Hochamt zwischen Epistel und Evangelium gesungene Responsorialgesang, Graduale (Stufengesang) genannt, weil der ihn intonierende Diakon auf den Stufen (in gradibus) des Ambo (s. d.) stand. Ursprünglich bestand das Graduale aus einem ganzen Psalm, der von den Vorsängern abgesungen und von der Gemeinde beantwortet wurde, doch führte schon Pabst Gelasius I. (gestorben 496) statt dessen Versus selecti ein; die Gradualien des Gregorianischen Antiphonars bestehen aus zwei Versen, von denen der erste früher nach dem zweiten repetiert wurde. Später kam auch diese Repetition ab. Vgl. P. Wagner, Gesch. der Messe, S. 3.
  2. Das Buch, welches die De-tempore-Gesänge der Messe enthält (Introitus, Gradualien, Offertorien, Kommunionen, Allelujah-Verse [sic] und Tractus). Vgl. Antiphonarium.

[Einstein/Riemann Musiklexikon 1929, 640]

Graduale (1882)

Graduale (lateinisch, Responsorium graduale oder gradale), der auf die Lektion folgende Responsorialgesang, Graduale genannt, weil der ihn intonierende Priester auf den Stufen (in gradibus) des Ambo (siehe dort) stand.

Das Graduale ist italienischen Ursprungs, aber alt, da schon im Gregorianischen Antiphonar die Gradualien einen Hauptteil bilden. Ursprünglich bestand das Graduale aus einem ganzen Psalm, der von den Vorsängern abgesungen und von der Gemeinde beantwortet wurde, doch führte schon Papst Gelasius I. (gestorben 496) statt dessen Versus selecti ein. Die Gradualien des Gregorianischen Antiphonars bestehen aus zwei Versen, von denen der erste nach dem zweiten repetiert wurde. Später kam auch diese Repetition ab. [Riemann Musik-Lexikon 1882, 328]

Graduale (1802)

Graduale war in der alten christlichen Kirche ein kurzer Gesang, der nach der Epistel gesungen wurde. Nach Schöttgens Antiquitäten-Lexikon hatte er deswegen diesen Namen, weil der Diaconus noch auf den Stufen (gradibus) des Lesepultes sich befand oder die Stufen nach der Evangelien-Seite hinaufstieg. [Koch Musikalisches Lexikon 1802, 677]