Flageolet, Flaschinet (1840)

Flageolet [heutige Schreibweise: Flageolett], Flaschinet.

  1. Der Name einer kleinen Flöte aus Elfenbein, Buchsbau- oder Ebenholz, welche in Holland sehr gebräuchlich ist und wie eine Art Flöte à bec [Blockflöte] intoniert wird. Ihr Umfang ist vom zweigestrichenen d bis zum viergestrichenen d. Sie wird auch benutzt, die Vögel pfeifen zu lehren. Bambridge erfand ein Doppel-Flageolet.
  2. Eine besondere Art der Behandlung der Geigeninstrumente, bei welcher der Ton eines Flageolets durch eine besondere Art des Fingersatzes und durch einen schneidenden Bogenstrich nachgeahmt wird. Der Finger nämlich, welcher den zu intonierenden Ton greift, drückt die Saite nicht wie gewöhnlich auf das Griffbrett nieder, sondern berührt sie nur ganz sanft, während der Bogen mit einem sehr gleichen, aber schneidenden Striche über die Saiten geführt wird. Die Stellen, bei denen dies geschehen soll, pflegt man mit Flautino oder Sons harmoniques oder Suoni armonichi, öfters auch mit einer Null (0) zu bezeichnen und über die ganze Stelle eine Linie (wie über die Noten, die um eine Oktave höher gespielt werden sollen) zu ziehen. Soll wieder mit dem gewöhnlichen Tone fortgefahren werden, setzt man luogo oder loco darüber.Durch das obige Verfahren entstehen ganz ungewöhnliche Schwingungen der Saiten, die viel höhere und ganz verschiedene Töne hervorbringen, als ihr sonst eigen sind. So gibt zum Beispiel die Violine auf dem Punkte, wo auf der a-Saite das zweigestrichene d gegriffen wird, das dreigestrichene a, auf dem Punkte hingegen, wo auf der a-Saite das zweigestrichene e liegt, das dreigestrichene e an. Doch ist erforderlich, dass bei dieser Spielart jeder Ton auf das Äußerste rein gegriffen werde, denn sobald der Finger nicht genau den Punkt trifft, wo der Ton vollkommen rein ist, spricht der Flageolett-Ton nicht an. Daher ist auch keine andere Übung im Stande, an einen so äußerst reinen Griff der Töne zu gewöhnen, als diese. Selbst der dabei erforderliche Bogenstrich gewährt für die Hervorbringung eines guten Tons und besonders für den Vortrag des Adagio höchst bedeutende Vorteile.
  3. Ein offenes zweifüßiges Orgelregister von 1-2 Fußton.

[Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 129]