Musiklexikon: Was bedeutet Quodlibet?

Quodlibet (1929)

Quodlibet (lateinisch, so viel wie "was beliebt", d. h. "Allerlei", italienisch auch Messanza, Mistichanza, deutsch auch "Bettlermantel"), nannte man im 16. und 17. Jahrhundert eine scherzhafte Verkoppelung verschiedener Texte in den verschiedenen Stimmen zu einem mehrstimmigen Tonsatz. Praetorius (Syntagma III) erwähnt ein Quodlibet von Johann Göldel, das in den fünf Stimmen fünf Choräle vollständig durchführt. Eine andere Art des Quodlibet war die potpourriartige Aneinanderreihung von Bruchstücken verschiedenartiger bekannter Kompositionen (Motetten, Madrigale, Choräle, Chansons usw.), mit humoristischer Tendenz.

Besonders wertvoll sind für uns heute [um 1930] Quodlibets, die aus alten Volksliedern zusammengestellt sind, wie sie Schmeltzel in Wien 1544 und viele andere in späterer Zeit herausgaben (vgl. den ersten Teil der von Eitner als "Das Deutsche Lied" herausgegebenen Beilage zu den Monatsheften für Musikgeschichte). Im 18. Jahrhundert finden sich auch Gesangs-Quodlibets, die durchaus nach dem Muster der italienischen instrumentalen Sonaten und Kanzonen gearbeitet sind, z. B. in dem Ohren vergnügenden und Gemüt ergötzenden Tafelkonfekt (Augsburg 1733). Das bekannteste und wertvollste instrumentale Quodlibet ist das Schlussstück von J. S. Bachs Goldberg-Variationen. Vgl. Reißmann, Das deutsche Lied (1861) S. 52; Uhl, Die deutsche Priamel (1897). [Einstein/Riemann Musiklexikon 1929, 1456]

Quodlibet (1882)

Quodlibet (italienisch: Messanza, Mistichanze) nannte man im 16.-17. Jahrhundert eine scherzhafte Verkoppelung verschiedener Melodien, Naturlaute etc., ein buntes Durcheinander, wie in Jannequins "Schlacht", "Hasenjagd", "Weiberklatsch" und ähnlichen Stücken von Gombert, Matthias Hermann u. a.

Eine andre Art des Quodlibet war die potpourriartige Aneinanderreihung von Bruchstücken verschiedenartiger bekannter Kompositionen (Motetten, Madrigale, Choräle, Chansons etc.) mit humoristischer Tendenz. [Riemann Musik-Lexikon 1882, 736]

Quodlibet, Messanza (1882)

Quodlibet (zu deutsch: was beliebt; auch Messanza, Mistichanza genannt) ist ein aus einzelnen Takten oder Absätzen der verschiedensten Tonstücke zusammengesetztes Musikstück, in dem Bestreben zusammengestellt, komische Wirkung zu erzielen.

Zur Zeit der Blüte des Volksgesanges waren solche Quodlibets sehr beliebt. Es wurde meist aus einzelnen Volksliedstücken, untermischt mit Choral-, Motetten- und Madrigalsätzen, zusammengestellt und Arrangeure und Sänger ließen dabei der buntesten Laune freien Spielraum. In den Kantoreien wurden sie aus dem Stegreif geübt und ganz besonders sahen die Kantoren einen gewissen Stolz darin, solche Quodlibets zu improvisieren. Noch im Anfang dieses Jahrhunderts [des 19. Jh.] waren diese Quodlibets beliebt, doch beschränkten sie sich meist nur auf die drastisch-komische Zusammenstellung einzelner Zeilen und Phrasen einstimmiger Lieder. Gegenwärtig [um 1880] sind auch sie ausgestorben und so ist nur noch eine Art dieser Quodlibets auf instrumentalem Gebiete vorhanden: das Potpourri. [Reissmann Handlexikon 1882, 411f]