Menuett, Menuet, Minuetto (1865)

Menuett, franz. le Menuet, ital. il Minuetto, eine ältere Tanzmelodiengattung, sowohl als Tanz selbst wie als Tanzlied zum Singen gebräuchlich, desgleichen schon früh als tanzartiges Tonstück in die Suite, Serenate, Symphonie und Sonate herübergenommen.

Ursprünglich aus Frankreich - und zwar nach Matthesons Angabe (Orchester I 193) aus der Provinz Poitou herstammend, soll die [sic] Menuett den Namen von den graziösen kleinen Schritten, mit welchen sie ausgeführt wurde, erhalten haben (siehe Walther, Lexikon [Musiklexikon von 1732]). Sie zeichnete sich durch edlen, anmutig würdevollen Anstand aus, war der Tanz der vornehmen Welt und hatte "keinen anderen Affect, als eine mäßige Lustigkeit" (Kern melod. Wissensch. 109), alle gesellschaftlichen Tänze ohne Unterschied wurden ehedem damit eröffnet. Die Melodie steht jederzeit im Dreivierteltakt, und wenn zum Tanzen bestimmt, ist ihre Bewegung sehr mäßig geschwind. Ferner ist sie in zwei Reprisen gegliedert, von denen jede acht Takte enthält, im vierten Takt einen merklichen Einschnitt und außerdem oft noch im zweiten und sechsten Takte leichtere Zäsuren hat. Das Metrum des ersten oder der beiden ersten Takte wird häufig, doch nicht jederzeit, im fünften oder fünften und sechsten Takte genau wiederholt oder nur nachgeahmt. Die erste Reprise kadenziert entweder auf der Tonika oder mit dem Akkord einer leitereigenen Tonart oder auf der Halbkadenz der Haupttonart. Die zweite Reprise schließt mit der Tonika.

Um diesen Tanz musikalisch reicher auszustatten und ihm mehr Mannigfaltigkeit zu geben, führt man nach Schluss der zweiten Reprise einen zweiten Satz ein, der ebenfalls aus zwei Repetitionen besteht und auch sonst dem Hauptsatze rhythmisch ganz ähnlich eingerichtet, an Charakter aber von ihm verschieden ist, gewissermaßen einen einheitlichen Kontrast zu ihm bildet, und wechselweise mit ihm vorgetragen wird. Er pflegt in einer der Haupttonart nahe verwandten Nebentonart zu stehen. Weil man ehedem die Hauptmelodie gemeinhin nur zweistimmig setzte (die erste und zweite Violine unisono und Bass), so bediente man sich alsdann, um größere Mannigfaltigkeit zu gewinnen, bei der zweiten Melodie des dreistimmigen Satzes, und daher hat dieser Teil der Menuett (und auch anderer neuerer Tänze) den Namen Trio bekommen und bis heutigen Tag behalten.

Außer zum Tanzen diente die Menuett auch zum Singen, wurde außerdem schon früh in den Reigen der Suite und in die Partite aufgenommen. Darnach fand sie ebenfalls in der Cassation oder Serenade einen und zwar einen sehr bevorzugten Platz, indem man sie fast regelmäßig zwischen jedes Andante und Allegro als vermittelndes Glied einschob, demnach sie zwei- oder dreimal in einem Stücke sich findet. Außerdem wurden ihr nicht selten mehrere Trios mit veränderter Instrumentation, auch für Soloinstrumente, beigegeben (vergl. O. Jahn, Mozart I 571). Als um Mitte des vorigen Jahrhunderts [18. Jh.] unsere moderne Symphonie und Sonate sich entwickelte, nahm man die Menuett, als den von allen damaligen Tänzen am meisten beliebten, auch in den Zyklus dieser Formgattung als zweiten oder dritten Satz mit herüber; ob Hadn dieses zuerst getan, ist nicht mit Gewissheit zu sagen, wenngleich man es annimmt. Jedenfalls aber gab er der Menuett ihren eigentümlichen, seitdem typisch gewordenen Charakter, "Haydn parodirte den Menuett nicht, aber er entkleidete ihn seiner vornehmen Würde; er nahm ihn wie ihn die Bürgersleute tanzen, und wusste eine volksthümliche Laune und Heiterkeit hineinzulegen, welche diesem Tanz ursprünglich fremd war" (Jahn, Mozart I 559). Bei Beethoven trat häufig das Scherzo an Stelle des [sic] Menuett, ohne diesen darum gänzlich zu verdrängen; ein solcher findet sich bekanntlich noch in seiner vorletzten Symphonie. Näheres über das Scherzo und sein Verhältnis zum Menuett siehe unter Scherzo, Sonate, Zyklische Formen. [Dommer Musikalisches Lexicon 1865, 559f]