Musiklexikon: Was bedeutet Serpent?

Serpent (1840)

Serpent (franz.), Schlangenrohr (ital. Serpentono). Ein Blasinstrument, erfunden 1590 von dem Kanonikus Edme Guillaume zu Auxerre. Es ist eine Art von Zinken, dem man durch sechs Biegungen die Form einer Schlange gegeben hat, und entweder von Silber oder Messing oder von hartem Holze, etwa von der Stärke einer Linie gearbeitet und mit Leder überzogen. Um aber diese Schlangenform von so zartem Holze ein größere Festigkeit zu geben, werden die Krümmungen zuvor mit Ochsenadern umwunden und verleimt; welches indessen bei metallnen Instrumenten nicht nötig ist.

Der Serpent ist mit Mundstück etwa 8 Fuß 3 Zoll lang, und 2 Fuß 6 Zoll vom Mundstücke an das erste Loch für die linke Hand angebracht, dem noch zwei Löcher, jedes um 2 Zoll voneinander entfernt, folgen. Von dem dritten und letzten bis zum vierten Loche zählt man 1 Fuß 4 Zoll, und diese Entfernung macht im Tone keinen größeren Unterschied als obige von 2 Zoll, nämlich einen ganzen Ton. Die folgenden, das fünfte und sechste Loch, stehen wieder wie die ersteren für die linke Hand in gleicher Entfernung von 2 Zoll voneinander, und nun folgt noch 5 Zoll unterhalb des sechsten das Loch, welches von der Cis-Klappe bedeckt wird. Am Mundstück hat das Instrument die Weite eine Baßposaune, erweitert sich aber bis zur Mündung bis zu einem Durchmesser von 4½ Zoll. Das Mundstück kommt dem einer Trompete am nächsten, nur das dessen Vertiefung beinahe einen Zoll und im Durchschnitt 11/3 Zoll beträgt.

Der Tonumfang des Serpents beträgt vom Contra-B an drei volle Oktaven, weswegen es auch nur für die tiefsten Baßpartien und wegen seines starken Tones als Grundstimme bei der Militairmusik [sic] gebraucht wird. In Frankreich begleitet man sehr oft den Kirchengesang, anstatt der Orgel, mit demselben. Es erfordert einen sehr geübten Bläser, eine gute Lunge und starke Brust. (Vergleiche Baßhorn). [Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 419]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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