Musiklexikon: Was bedeutet Denis d’or?

Ein legendäres Musikinstrument von Prokop Diviš.

Denis d'or (1802)

Denis d'or. Ein Claviaturinstrument mit einem Pedale, welches die Töne fast aller blasenden und besaiteten Instrumente von sich geben soll. Es kann 130mal verändert werden und ist von dem Pastor Procopius Diviß zu Prendnitz bei Znaim in Mähren in der ersten Hälfte des verwichenen Jahrhundertes erfunden worden. Das einzige davon vorhandene Exemplar besaß nach Gerbers Tonkünstler-Lexikon der Prälat von Bruck, Georg Lambeck, welcher einen besonderen Tonkünstler, dieses Werk zu traktieren, unterhalten haben soll. [Koch Musikalisches Lexikon 1802, 415f]

Procop Diwisch [Diviš] (1777)

Procop Diwisch, ein Naturforscher und Erfinder eines Wetterleiters

Procopius Diviss

Procopius Diviss. Abb. aus [Pelzel Abbildungen 1777, 172/73]

Dies ist der Name eines unserer Gelehrten, welcher in dieser Sammlung einen vorzüglichen Platz verdienet. Er kam zu Senftenberg, böhmisch Ziamberg, einem Flecken im Königgrätzer Kreise in Böhmen, am 1. August des 1696 Jahrs auf die Welt. Wie er das zum Studieren fähige Alter erreicht hatte, schickten ihn seine Eltern nach Znaym in die Schule und ließen ihm daselbst die Anfangsgründe zu den höheren Wissenschaften beibringen. Er begab sich hierauf in das nahe gelegene Prämonstratenserstift Bruck (Luca), hörte daselbst die Philosophie und empfahl sich durch seine Gelehrigkeit, die Leichtigkeit alles zu fassen und seine übrigen hervorleichtenden [sic] Talente bei den Obern dieses Ordens dergestalten, dass sie ihn in denselben auf sein erstes Ansuchen aufnahmen. Sobald er die Prüfungsjahre überstanden hatte, legte er die gewöhnlichen Gelübde im Jahr 1720 am 30. Nov. ab. Hierauf wandte er seinen Fleiß auf die theologischen Wissenschaften und das geistliche Recht; dann wurde er a. 1726 zum Priester geweihet und las am 8. Decemb. die erste Messe.

Nicht lange darauf wurde er zum Professor der Philosophie bei eben dem Stifte ernannt. Er unterschied sich von seinen Vorgängern, den Lehrern dieser Wissenschaft daselbst meistens dadurch, dass er die Vorlesungen über die Physik mit verschiedenen Versuchen aus der Naturkunde begleitete; und wie er den Jahrsgang dieses Lehramtes vollendet hatte, trug man ihm auf, die Theologie zu lehren. Er tat es mit so vielem Nutzen seiner Zuhörer und Beifalle seiner Obern, dass ihm diese rieten, sich in irgendeiner Universität die Doktorwürde beilegen zu lassen. Er folgte ihrem Winke, und ehe er noch die ganze Theologie ausgelehrt hatte, begab er sich nach Salzburg, wo ihm An. 1733 am 5. August der Doktorhut in der Gottesgelehrheit zu Teil wurde. Bei dieser Gelegenheit machte Diwisch einen theologischen Aufsatz durch den Druck bekannt, aus welchem allenthalben der Geist eines scharfsinnigen und denkenden Mannes Hervorleuchtet.

Nach der Zeit erhielt Diwisch die Pfarrei zu Prenditz bei Znaym in Mähren. Seine Erholungsstunden, welche ihm die Seelsorge übrig ließ, wandte er auf dei Naturkunde und folgte itzt dem Hange zu dieser Wissenschaft , welche er vor allen anderen liebte, ganz. […]

Wettermaschine von Procop Diwisch

Wettermaschine von Procop Diwisch, Abb. aus [Pelzel Abbildungen 1777, 178/79]. Dort findet sich auch eine ausführliche Beschreibung der Wettermaschine oder des "Wettermachers" von Prokop Diviš (latinisiert: Procopius Diviss), die als Erfindung eines "Wetterleiters" oder des Blitzableiters interpretiert wurde.

[Es folgen weitere biografische Angaben und detaillierte Informationen zu Diwischs Erfindung des "Wetterleiters oder Conducteurs" bzw. der "Wetterstange" - siehe Abbildung. Eine erhoffte akademische Anerkennung hierfür wurde dem Erfinder allerdings verwehrt, zudem musste er seine Experimente schließlich einstellen.]

Sein erfinderischer Geist aber konnte dem ungeachtet nicht ruhen: Er griff nach einem anderen angenehmeren und stilleren Gegenstande. Dies war die Tonkunst. Schon vor der Aufrichtung der Wetterstange hatte er angefangen, an einem ganz neuen, von ihm ausgedachtem musikalischen Instrumente zu arbeiten. Itzt setzte er sich wieder daran und ruhte nicht eher, als bis er es zu seiner Vollkommenheit brachte. Er gab ihm den Namen Denis d'or, von seinem Namen Diwisch, welches so viel als Dionysius im Lateinischen und Denis im Französischen heißt. Es gibt die Töne beinahe aller Saitenspiele und blasender Instrumente von sich, die man ganz leise und sanft oder auch mit vollen Stimmen, wie ein besetztes rauschendes Orchester, kann tönen machen. Ein Kenner kann hundert und dreißig Mutationen an demselben wahrnehmen. Man spielt darauf mit Händ- und Füßen, wei auf der Orgel. Itzt besitzt es der Herr Prälat von Bruck, Gregorius Lambek, und unterhält einen besonderen Tonkünstler, der auf dem Denis d'or spielen kann. Prinz Heinrich von Preußen bot eine große Summe Geldes Diwischen dafür an, der aber während der Unterhandlung im Jahr 1765 am 21. Decembr. und im 69. Jahre seines Alters starb.

Es ist sonderbar, dass Diwisch seit der Zeit, dass er sich mit der Elektricität beschäftigte, immer einer starken und vollkommenen Gesundheit genoss, die vor diesem bei ihm schwach und unstät [sic] war. Seinem Geiste nach gehört er unter die großen Männer unsers Jahrhunderts, und die von ihm ausgedachte Wettermaschine macht seinen Namen unsterblich. Ein ewiger Zeuge seiner harmonischen Seele ist das musikalische Instrument, so er erfunden hat, in welchem sich das Reine, Verschiedene, Erhabene und Reizende der Töne nicht wohl beschreiben und nur von einem Kenner der Musik empfinden lässt. [Pelzel Abbildungen 1777, 172ff]

Diviss, Procopius - Denis d'or (1790)

Diviss (Procopius) Pastor zu Prenditz bei Znaim in Mähren, Erfinder des sogenannten Denis d'or, eines musikalischen Instrumentes; geb. zu Ziambert im Königsgrätzer Kreise 1696. Diese Erfindung ist nicht das einzige Verdienst dieses großen Naturforschers. Er ist auch der wahre und erste Erfinder des Wetterableiters, noch vor Fränklin, und starb 1765. Seine musikalische Erfindung, oder Denis d'or, soll die Töne fast aller blasenden und besaiteten Instrumente von sich geben, und soll 130 mal verändert werden können. Man spielt es wie eine Orgel, mit Händen und Füßen. Der itzige Besitzer dieses mannigfaltigen Instruments soll der Prälat von Bruck, George Lambeck, sein, welcher einen besondern Tonkünstler, dieses Werk zu traktieren, unterhalten soll. [Gerber Lexicon der Tonkünstler 1790, 344]

Die Informationen stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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