Aufhaltung (1840)

Aufhaltung. Die Aufhaltung betrifft entweder

  1. einen ganzen Satz,
  2. einen Schluss oder
  3. nur einzelne Teile und diese a) in melodischer, b) in harmonischer Rücksicht.

Die erste Art, Suspensio, ist eine oratorische Figur, welche
a) durch den umschweifig angelegten Anfang eines Satzes einige Zeit den Zuhörer über die eigentliche Absicht des Tonsetzers in Ungewissheit lässt und so Erwartung zu erregen und Neugierde zu reizen beabsichtigt (siehe auch Dubitatio). Dahin ist zu rechnen
b) Verzögerung der völligen Entwicklung eines musikalischen Gedankens durch unmittelbare Fortsetzung einer in der Melodie enthaltenen Notenfigur, welches den Satz mehr verwickelt; oder auch Aufhaltung der Endigungsformel durch einen mit dem Zäsurton eintretenden Anhang (siehe Takterstickung).
c) Aufhaltung eines vom Gehör erwarteten Akkords oder Gedankens durch Fermate, Trugschluss oder Generalpause.

Die zweite Art der Aufhaltung ist Verzögerung eines Tonschlusses durch einen Trugschluss (siehe Kadenz).

Die dritte Art, Retardatio, ist
a) eine Verzierung der Melodie durch Aufhaltung einzelner melodischer Töne (siehe Vorschläge) oder melodischer Hauptnoten (siehe Retardation und Synkope);
b) eine Verzierung der Harmonie durch zufällige Dissonanzen (siehe Vorhalt). [Gathy Encyklopädie Musik-Wissenschaft 1840, 22]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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