Menuett, Minuet (1879)

Menuett, Minuet (franz., "klein"), Minuetto (ital.), Führtanz; ursprünglich ein französischer, aus Poitou stammender, graziöser Nationaltanz, der sich nur im gravitätischen Tempo bewegt und daher besonders eine schöne gerade Haltung des Körpers und zierliche Bewegung der Füße und Arme erforderte. Er wurde der Lieblingstanz im Zeitalter Ludwigs XIV. und verdrängte die von der vornehmen Welt begünstigte Courante (siehe dort). Die Musik bewegt sich dabei in einem mäßig geschwinden 3/4-Takt und hat zwei Reprisen, von denen jede acht Takte enthält und in dem vierten Takt immer einen sehr merklichen Absatz macht. Alle drei Reprisen">Viertel in einem Takt haben gleichen Zeitwert. Um dem ganzen Tanz und der Musik mehr Verschiedenartigkeit zu geben, hat man auf der Hauptmelodie noch eine zweite Melodie in einer anderen Tonart, ein Trio oder Menuetto secundo (Menuetto alternativo) von der nämlichen rhythmischen Einrichtung, verbunden, die mit jener wechselweise vorgetragen wird.

Eine ganz eigene Gattung, auch in musikalischer Hinsicht, bildet die sogenannte Krebsmenuet [sic], Menuetto cancherizante, welche vor- und rückwärts gespielt werden kann.

In der Mitte des vorigen Jahrhunderts [18. Jh.] fing man in Deutschland an, die Menuett in Sinfonien und Sonaten mit dem Trio eine besondere Abteilung ausmachen zu lassen. Gegenwärtig [um 1880] ist sie vom Scherzo (siehe dort) verdrängt. [Riewe Handwörterbuch 1879, 159]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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