Académie royale de musique (1865)

Académie royale de musique, die große Oper zu Paris. Ihr Ursprung kann nicht früher als ins Jahr 1669 gesetzt werden (Marpurg, Beiträge I. 181ff), wenngleich man schon seit 1645 daselbst Opern aufgeführt hat. In jenem genannten Jahre 1669 aber erhielt der Abbé Perrin einen königlichen Freibrief, der ihn ermächtigte, 12 Jahre lang in Paris und anderen Städten des Reiches musikalische Akademien zu errichten und theatralische Stücke öffentlich aufführen zu lassen. Um die hierzu erforderlichen Geldmittel aufzubringen, verband er sich mit mehreren anderen Personen und der Musik wegen mit Lambert (starb um 1677 als Oberkapellmeister Carls des Zweiten von England), so dass im Jahre 1671 die Singbühne mit dem Schäferspiele Pomona, wozu Perrin den Text, Lambert die Musik und der Oberballettmeister Beauchamp die Tänze geliefert hatten, eröffnet werden konnte. Bald darauf jedoch brachen Streitigkeiten zwischen den Unternehmern aus und Johann Baptist Lully, königlicher Oberkapellmeister, benutzte diese Gelegenheit, um durch den Kredit der Montespan Perrin gegen Erlegung einer Geldsumme zur Abtretung seines Privilegiums zu bewegen. Im Mai 1672 wurde dasselbe für Lully von Ludwig XIV. erneuert; war er mithin auch nicht der eigentliche Stifter der Académie royale, so begründete er doch die große französische Oper ihrem inneren Wesen nach. Unter den die Einrichtung der Akademie betreffenden Verordnungen des Hofes finden sich neben anderen folgende: Kavaliere und Damen dürfen ihres Adels, ihrer Titel und Vorrechte unbeschadet darin auftreten und singen, wie in den italienischen Singspielen ([Fußnote:] Frauen auf die Bühne der königlichen Oper zu bringen hatte Lully aber noch große Kämpfe gekostet). Jährlich sollten 15000 Livres an Sänger, Tänzer und Instrumentalisten, die sich besonders hervortaten, als Geschenk verteilt werden.

Nach 15-jähriger Dienstzeit hatten die Mitglieder auf eine die Hälfte des Gehaltes betragende Pension Anspruch. Der Komponist einer neuen Oper erhielt von jeder der ersten zehn Vorstellungen 100 und von jeder der zwanzig folgenden 50 Livres; der Dichter ebensoviel. Nach dieser Zeit ist das Stück Eigentum der Akademie, und Dichter wie Komponist haben keine Ansprüche mehr daran. In allen vier Jahreszeiten war Dienstag, Freitag und Sonnabend Oper, von Martini bis Estomihi auch noch am Donnerstage; an Feiertagen aber ist keine Oper, sondern statt dieser Concert spirituel (siehe daselbst) in den Tuilerien. Um 1750 waren bei der Oper im Ganzen 149 Personen tätig, nämlich 14 Solosänger und 8 Sängerinnen, 38 Choristen und Choristinnen; 2 Musikdirigenten, 1 Accompagnateur auf dem Flügel, 16 Violinisten, 6 Bratschisten; 9 Flötisten und Oboisten; 12 Violincellisten, Gambisten und Contreviolonisten; 2 Hornisten; ferner 40 Solo- und figurierende Tänzer und Tänzerinnen. Eine neue Oper in Szene zu setzen kostete etwa 45000 Livres. Um 1787 hatte sich das Personal auf 24 Solo- und 66 Chorsänger, 77 Instrumentisten, 25 Solotänzer und 69 Figuranten erweitert. Seit 1784 war mit der großen Oper zugleich die vom Baron Breteuil besonders gepflegte Ecole royale de Chant et de Déclamation oder königliche Singschule (aus der später das Conservatoire hervorging) verbunden. Es wurden in derselben nicht allein Meister für den Gesang und die Deklamation, sondern auch für den Unterricht in allen übrigen, zu einem vollkommenen Virtuosen und Akteur erforderlichen Künsten angestellt. Man nahm Zöglinge beiderlei Geschlechts auf, wenn sie gute Anlagen zeigten und von ehrbarer Herkunft waren.

Neben Marpurg, a. a. O., vergleiche auch die musikalische Realzeitung vom Jahre 1788, Stück 17, 18 und 21. [Dommer Musikalisches Lexicon 1865, 8]

Die Informationen in unserem Online-Lexikon stammen aus historischen Musiklexika des 18. und 19. Jahrhunderts. Ein empfehlenswertes modernes Musiklexikon für den Hausgebrauch ist das 5-bändige "Brockhaus Riemann Musiklexikon".
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