Dudelsack (1882)

Dudelsack (Sackpfeife, ital. Cornamusa, Piva, franz. Musette, Sourdeline, engl. Bagpipe, lat. Tibia utricularis, griech. Askaulos = Schlauchpfeife, im Mittelalter auch wohl, wie die Drehleier, Symphonia, korrumpiert als Samponia, Zampugna etc., im 17. Jahrhundert (Prätorius) in verschiedenen Größen als: großer Bock (Bordun: Kontra-G oder groß C), Schaperpfeif (Bordune: b f'), Hümmelchen (f' c'') und Dudey (es' b' es'')), ein uraltes Instrument, das jetzt aber nur in den Händen der Bettler und in England, Schottland und Irland bei der Landbevölkerung getroffen wird. Es besteht aus einem ledernen Windsack, der entweder von dem Spieler mittels einer als Pfeife geformten Röhre vollgeblasen und in Füllung erhalten (so bei der älteren Art und dem schottischen Hochlandsdudelsack), oder aber durch kleine, mit dem Arm regierte Bälge mit Wind versorgt wird (so bei den anderen Arten). An dem Schlauch sind mehrere Pfeifen befestigt, die durch denselben angeblasen werden, sobald ihn der Spieler mit dem Arm komprimiert, eine gewöhnliche Schalmei mit 6 Tonlöchern, auf welcher Melodien gespielt werden, und 1-3 sog. Stimmer (Hummeln, Brummer, franz. Bourdons, engl. Drones, vergleiche Bordun), welche stets nur ein und denselben Ton und zwar unausgesetzt angeben.

Das Instrument ist der Drehleier (Vielle) nahe verwandt und hat deren Schicksale geteilt, sofern es im 17.-18. Jahrhundert Modeinstrument wurde. Man überzog damals die Schläuche mit Seide und prächtigen Stickereien, fertigte die Kästchen, welche statt der Bordunpfeifen die Zungen der Brummtöne aufnahmen, aus Elfenbein, verzierte sie mit Gold, Steinen etc.

Descouteaur, Philidor, Douet, Dubuisson, Hottetere, Charpentier, Chediville u. a. exzellierten als Virtuosen auf dem Dudelsack. [Riemann Musik-Lexikon 1882, 226f]